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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 404 -
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404 An die Zeit der religiösen Wirren nach der Schlacht am Weißen Berge erinnert die aus dem östlichen Böhmen stammende Sage von der Rosenwiese. Unweit von Leitomischl, das einst die bedeutendste Stadt der böhmischen Brüder war, hinter dem Dorfe Morasitz ist zwischen Feldern beim Walde ein kleiner Anger, auf dem niedrige Sträucher mit eigenthümlichen Rosen, die gewöhnlich im Juni blühen, wachsen; in Blumentöpfen am Fenster gedeihen diese Rosen nicht. An dieser Stelle, erzählt die Sage, kamen die böhmischen Brüder aus der weiten Umgebung zusammen, bevor sie ins Exil gingen. Hier beteten sie zum letzten Mal gemeinsam, verrichteten ihre Andacht, und nachdem sie dann ihren goldenen Kelch vergraben hatten, nahmen sie Abschied von ihrer Heimat. Und auf diesem Anger, der auch bei den späteren Generationen eine gewisse heilige Scheu erweckte, wuchsen die erwähnten dunkelrothen Rosen hervor, und Niemand wagte es, so leicht die denkwürdige Stätte zu berühren. Und wer es that, der hat es bitter gebüßt, wie der Bauer, dem, als er den Anger umzuackern begann, die Pferde lahm wurden. Einem anderen, der dennoch ein Stück davon umgeackert und Lein darauf gesäet hatte, verbrannte die Tochter beim Dörren dieses Leines. Dieser Rosenanger war nur in der Umgebung bekannt, aber Staunen erregte es, als einige russische Ossiciere, die im Jahre 1813 mit ihren Truppen gegen Napoleon zogen und in die Gegend kamen, nach dem Rosenanger frugen. Und als sie hinzukamen, da knieten sie nieder, rutschten auf den Knieen heran und beteten inbrünstig. Auf diesem Rosenanger werden einst auch drei Potentaten zusammen- kommen, und dann erst wird der wahrhafte Friede herrschen und jeder Krieg wird aufhören. So erzählt die Sage, in diesem Falle sozusagen ein Wiederhall der Ideen der böhmischen Brüder. Die Verheerungen des dreißigjährigen Krieges konnten freilich nicht aus dem Gedächtniß des Volkes entschwinden. Aber die Erinnerungen daran haben sich zumeist in verschiedenen örtlichen Sagen erhalten. Im westlichen Böhmen, besonders in der Umgebung von Taus, wird viel von Johann Sladky, genannt Kozina, erzählt, wie er die alten Privilegien der Choden gegen Wolf Lamminger von Albenrent vertheidigte und wie er, ungerecht zum Tode verurtheilt, den genannten Edelmann vor das Gericht Gottes forderte und wie Herr Lamminger noch vor Schluß desselben Jahres auf seinem Sitze Ehodenschlooß bei Taus, vom Geiste Kozina's gerufen, eines plötzlichen Todes starb. Zu den historischen Sagen gesellen sich noch verschiedene Weissagungen, die beim böhmischen Volke seit jeher beliebt waren. Die ältesten und auf heimischem Bodeu entstandenen sind jene, die von der Fürstin Libnsa herrühren und welche später Krivojen Budek niedergeschrieben haben soll. Die angeblichen Weissagungen der Libusa betreffen die Schicksale Böhmens, den Reichthum dieses Laudes iu den künftigen Bergwerken, wie in Eule, Pribram, Kuttenberg und sonst auch. Neben diesen kamen auch
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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