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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 405 -
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405 etwa im XV. Jahrhundert die Weissagungen der Sibylle auf, die jedenfalls auf lateinischen Aufzeichnungen beruhen; letztere wurden wieder nach einem griechischen Original, das aus dem I. bis IV. Jahrhundert n. Chr. herrührte, niedergeschrieben. Nicht weniger populär wurden die Weissagungen des blinden Jünglings (slepy mlückenee), in denen auch die Blaniksage enthalten ist. Der blinde Jüngling verkündete Karl dem IV. die Geschicke seiner Nachfolger und die Geschicke des böhmischen König- reiches. Derselbe Jüngling soll auch, obzwar er blind war, die ganze wunderbare Aus- stattung aus menschlichen Knochen uud Schädeln in der Kapelle zu Sedlec bei Kuttenberg zusammengestellt haben, oder nach einer Variante verfertigte er die berühmte Uhr auf dem Prager Rathhause in der Altstadt, hat sie aber auch dann durch einen einzigen Griff, als man ihm die Autorschaft abstritt, verdorben. Aus einer etwas späteren Zeit, etwa aus dem XVI. Jahrhundert, rühren die Weissagungen des Havlata Pavlata, eines einfachen Bauers und Gebirgsbewohners aus Vysoke. Alle diese Weissagungen, die die Geschicke des Königreiches Böhmen betreffen, wurden allerdings den Zeitverhältnissen angepaßt. Es wird in ihnen von Greueln und Schrecknissen erzählt, von unerhörten Robotarbeiten, davon, daß die weltlichen und geist- lichen Obrigkeiten die böhmische Sprache hassen werden, von schrecklichen Kriegen, ja sogar vom Fall der Stadt Prag, aber in allen ist schließlich die trostvolle Prophezeihnng ent- halten, daß alle die Leiden aufhören werden, daß der heilige Wenzel zu Pferde mit dem Schwerte und der heilige Prokop mit dem Krummstabe die Feinde besiegen und aus dem Laude vertreiben werde. Neben diesen allgemein bekannten Weissagungen gibt es auch viele örtliche, so zum Beispiel in der Umgebung von Nachod, das zur Zeit der schleichen Kriege im vorigen Jahr- hundert hart mitgenommen wurde. Dort zeigt man noch heutzutage eine alte Föhre hart an der Grenze und erzählt, dort werde der preußische König auf der Flucht aus Böhmen ausruhen, uachdem er aufs Haupt geschlagen sein wird, und es werden ihm von seiner Armada nur so viele Soldaten übrig bleiben, als um eine Trommel herumsitzen können. Die erwähnten Weissagungen, in denen das böhmische Volk in Zeiten der Noth Trost fand, wurden unter dem Volke vom XVI. Jahrhundert an durch zahlreiche Nach- drucke verbreitet und trugen bis zu einem gewissen Grade in schweren Zeiten des XVII. und XVIII. Jahrhunderts mit dazu bei, das nationale Bewußtseiu und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu erhalten. Volkstrachten. Die ursprüngliche böhmische Tracht war jener der anderen slavi- schen Völker, namentlich der der Polen ähnlich. Das beweisen nicht blos die gemeinsamen Benennungen der einzelnen Bestandtheile, die die Tracht bilden, sondern auch directe Nachrichten, wie die des Adam von Bremen und Helmold. Leinwand, Tuch, Leder und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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