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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 406 -
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406 Pelzwerk, das war der Stoff, aus dem das Kleid verfertigt wurde, und zwar: Leinkittel, Hemden, Kopftücher und Ärmel, Röcke, Mäntel, Mützen, Beinkleider, Beschuhung und Pelze. Bei den Böhmen äußerte sich jedoch früher als bei den anderen slavischen Völkern der fremde Einfluß auf die heimische Tracht, wenn auch nicht gleich in allen Schichten und auch nicht in allen vom böhmischen Volke bewohnten Ländern, so daß zum Beispiel die Böhmen Mährens, besonders die Slovaken, ihre heimische Tracht am längsten und besten erhalten haben. Daß in Böhmen so frühzeitig fremde Trachten Eingang fanden, das verschuldete gewiß hauptsächlich die Lage des Landes, das sich gegen europäische Moden nicht abschließen konnte, und der lebhafte Charakter des Volkes selbst. Der Westen traf hier mit dem Osten zusammen; der Westen wirkte jedoch mächtiger, freilich zuerst in den wohlhabendsten Schichten, namentlich beim Adel, und zwar am mächtigsten im XIV. Jahrhundert während der Herrschaft der Luxemburger, wo die französische Tracht am Hofe und bei dem höheren Adel Eingang fand. Aber noch um diese Zeit (im Jahre 1318) spricht das Privilegium der Prager Schneider von der böhmischen Tracht. Dann wirkten auch andere Einflüsse, wie der deutsche, wenn auch nicht dermaßen, wie man es wegen der nahen Nachbarschaft und der zahlreichen politischen und geschäftlichen Berührungen der Böhmen mit den Deutschen voraussetzen könnte. Der strenge Geist des Hnsitismus, der jeden Luxus als sündhafte Eitelkeit ver- dammte, machte der Pracht und Üppigkeit in den Trachten, wie sie in Böhmen namentlich das XIV. Jahrhundert eingeführt hatte, ein Ende, und es ist interessant, wie man aus Vermächtnissen und Inventarien jener Zeit ersehen kann, daß damals dunkle und graue Farben die Oberhand erlangten gegenüber den früher so beliebten lebhaften und hellen. Aber schon gegen das Ende des XV. Jahrhunderts macht sich eine Reaction bemerkbar. Prächtige Trachten kamen wieder auf und herrschten namentlich im XVI. Jahrhundert, so daß die Landtage nicht selten strenge Verbote dagegen erließen. Zu jener Zeit herrschte in Böhmen wie im übrigen westlichen Europa hauptsächlich die italienische und spanische Tracht vor; darnach kam die französische auf, namentlich beim Adel und der Bürgerschaft, während das Volk sich mehr conservativ verhielt. Die die Mode betreffenden Veränderungen gingen in früheren Zeiten überhaupt nicht so rasch vor sich, namentlich nicht im Volke. Doch auch der böhmische Landmann konnte sich nicht ganz fremden Einflüssen verschließen. Er richtete sich hauptsächlich nach seiner Herrschaft und nach den Städten, indem er von ihrer Mode, wenn auch verspätet, so Manches annahm. Bemerkenswerth ist es, daß man am Fuße des Riesengebirges, bei Vysoke noch in jüngster Zeit (und vielleicht noch jetzt) den Hut auch „pil-it" nannte, und das dortige ,kacalik«, das auch sonst in Böhmen vorkommt, ist ein Überbleibsel aus dem
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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