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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 408 -
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408 wo man den in einer Kutsche fahrenden Bauer nur schwer von einem nach der Mode gekleideten Städter unterscheiden kann. Aber es gibt auch noch jetzt Gegenden, wo die einheimische Tracht nicht etwas schon Alterthümliches ist und nicht blos ein Kleid, das nur bei Nationalsesteu getragen wird. Am besten behauptet sich die alte Tracht im Westen, namentlich in den Dörfern der einstigen böhmischen Grenzbewohner — der Choden — in der Umgebung der Stadt Taus, dann in der Umgebung von Pilsen, im Süden in der Umgebung von Veseli (,na blateek"), bei Tabor, Neuhaus und bei Teindles (Daudleby). Im östlichen Böhmen haben noch die Weiber, wenn auch nicht mehr vollkommen die alte Tracht erhalten. Die Bestandtheile der ursprünglich slavischen Tracht blieben zwar beim Volke im großen Ganzen, änderten sich aber doch im Verlaufe der Zeit. Manches verschwand, Anderes wieder, wie das Mieder bei den Frauen und die Weste oder »bruelek« bei den Männern, wurde von anderwärts hinzugenommen. Der Kittel (Obergewand, suknö), den ursprünglich Männer wie Weiber trugen und der auch in der Fremde, wie in Frankreich, Eingang fand, hörte vom XVII. Jahrhundert an auf, ein männliches Kleidungsstück zu sein. An seine Stelle trat der Rock, dann auch das Kamisol, die Jacke. Die altslavischen „kace- (serbisch, slovakisch Zatö) wurden schon im XIII. Jahrnndert .nokavice" (Bein- kleid, Pantalon) genannt. Neben dieser Benennung kam im Anfang des XVI. Jahrhunderts noch das fremde Wort „Faliotx", „kalkot^ auf. Neben der ursprünglichen ,Sporne" und „strevieo" verbreitete sich das Wort dota (Stiefel — lu botte), ja verdrängte sogar das erstere und statt des ursprünglichen Meckel" kam frühzeitig „koZile" (Hemd aus dem lateinischen casula) auf. Die Trachten in den oben erwähnten Gegenden sind verschieden und doch, was die Bestandtheile anlangt, im Wesentlichen gleich. Auch darin sind sie einander ähnlich, daß sie alle mit vielen und reichen Stickereien geziert sind. In eigenartigen Stickereien bewährte das Volk seine künstlerische Begabung. Diese Nationalstickerei konnte sich, da sie weniger als jede andere Arbeit der Hausindustrie an die dem Handwerk eigene Fertigkeit gebunden war, ganz frei entwickeln. In den Stickereien des böhmischen Volkes sieht man eine große Ähnlichkeit mit jenen der beiden anderen Zweige des cechoslavischen Stammes: der Mährer nämlich und der Slovaken, und zwar um so mehr, je mehr wir uns der mährischen Grenze nähern. Diese Stickerei hat sich auf einer einheimischen alten Grundlage entwickelt und gerade jene Stickereien, die aus dem echten Volksgefühl hervorgegangen sind, haben unzweifelhaft künstlerischen Werth. Doch auch fremde Einflüsse, besonders aus der Kirche, aus der Stadt und aus dem herrschaftlichen Schlosse drangen in die Bauerngüter und Hütten, und es war besonders der Barockstil, dessen Einwirkungen die ursprüngliche Volksornamentik nicht entging. Doch der slavische Geist war in der Cultur der bäuerlichen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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