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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 426 -
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426 Durch Wirthschaftstheilungen entstanden Halblähner, Drittlähner und Viertelbauern. Gewöhnlich zerfallen die Eigenthümer des Dorfgrundes in Groß-, Mittelbauern und Chalnpner. Der Chalupuer hat gewöhnlich höchstens 20 Strich. Mehr als ein Chalupner, aber weniger als ein Ganzlähner hat ein Mittelbauer (in manchen Gegenden ^akracinilc genannt). Der Eigenthümer eines Dorshäuscheus ohne Grund und Boden heißt ein Häusler (clomkal). Derjenige, der weder Grundbesitz noch Häuschen hat uud gewöhnlich beim Bailer wohnt, dem er namentlich bei der Feldarbeit aushilft, heißt pockruk (Haus- mann). Die Bauern, Chalupner und Häusler haben jetzt ihre Häuser gemischt neben- einander. Doch gab es bis in die jüngste Zeit Dörfer, besonders auf den Torfgründen bei Vesell, in denen die Bauernhäuser für sich („im Dorfe"), wie auch die Chalupeu („in den Chalnpen") gesondert waren. Die Felder der böhmischen Dörfer Pflegen auf zweifache Art getheilt zu sein. Entweder ziehen sich die Feldstreifen als ein einheitliches Ganzes gleich hinter dem Wirthschaftsgebäude hin, und das ist am häufigsten der Fall, oder es ist der zu einem Dorfe gehörige Grund in kleinere Stücke, die mannigfach liegen, getheilt. Die Stücke und Stückchen sind durch Theilungen des ursprünglichen Stammeigenthums entstanden, und gerade diese Zersplitterung wie auch die runde Form des Dorfes zeugen von dem uralten Ursprung eines solchen Familiendorfes. Dagegen sind Dörfer, deren Grund in zusammenhängende, regelmäßige Streifen, die sich gleich hinter dem Gehöfte bis an die Peripherie des Dorf- gebietes erstrecken, getheilt ist, meist jüngeren Ursprungs. Doch selbst auch darunter gibt es viele uralte Familiendörfer; sie haben nur durch das Einphyteutisireu ihre Gestalt verändert, oder auch dadurch, daß der Gesammtgruud, nachdem die Zersplitterung durch fortwährende Theilungen den höchsten Grad erreicht hatte nnd man zu den einzelnen Stücken nur sehr schwer gelangen konnte, in solche Feldstreifen getheilt wurde. Neben dem einzelnen Eigenthümern gehörigen Grund gibt es auch bei den böhmischen Dörfern Gemeindeland (oböina, vdee), welches das ursprüngliche slavische Familiendorf nicht hatte. Einen Theil dieses Gemeindelandes, welches seit dem vorigen Jahrhundert immer mehr uud mehr zusammenschrumpft, indem es die Nachbarn untereinander ver- theilen oder Theile davon verkauft werde», bilden der Gemeinde-Anger (äraka) und Hutweiden. Die böhmischen Dörfer wurden einst durchwegs aus Holz gebaut, wie denn über- haupt damals auch so manche Burg uud Kirche aus demselben Material war. Heutzutage sind freilich die aus Holz gebauten Kirchen eine Seltenheit, wie zum Beispiel jene in Koei bei Chrndim, in Rehberg bei Reichenau, in Slavonov bei Neustadt an der Mettau und in Ronsinov bei Rakonitz. Zahlreicher sind in den Dörfern hölzerne Glockenthürme, die zumeist nur bescheidene Dimensionen haben, aber in ihrer Art charakteristisch sind,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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