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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 437 -
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437 auch durch Reichhaltigkeit der Malerei die gemalten Möbel aus dem südlichen Böhmen übertreffen. Neben der Stube Pflegt ein Stübchen (svötnicka, secknieka, piistönek, v) stupst), manchmal auch Kammer (komora) genannt, zu sein, ohne Ofen und häufig auch ohne gedielten Fußbodeu. In diesem Stübchen befinden sich die Betten, Truhen, und es wird hier auch das kleinere Geschirr aufbewahrt. Auf der anderen Seite der Stube gegenüber ist in der Regel die Kammer — manchmal auch zwei — gewöhnlich ohne Fenster, die zu ähnlichen Zwecken wie das erwähnte Stübchen verwendet wird. Zuweilen dient sie mehr als Speisekammer oder als Aufbewahrungsort, hier und da macht man aus ihr eiu schönes, reines Stübchen (Meiner Kreis). Im östlichen Böhmen Pflegt sie ausgemauert zu sein und heißt „kamenice"; hier bewahrt die Wirthin hauptsächlich die Milch. Im Westen heißt sie obgleich sie nicht gewölbt ist, sondern nur eine starke eichene Decke hat, die manchmal mit Lehm gründlich belegt ist, um dem Feuer mehr Widerstand zu leisten. Aus ihr kommt man in die Häckselkammer und aus dieser in die Stallungen; zuerst kommt der Pferdestall, dann der Rinderstall und hinter diesem manchmal noch der Schafstall. Eine ähnliche Eintheilnng finden wir auch in den neueren gemauerten Gebäuden. Ihre Stuben, die häufig gemalt anzutreffen, sind freilich bequemer, aber wir vermissen darin so manches, was uns durch seine Art in der Stube des älteren Bauernhofes fesselte. An diesen neueren Wirthschaften kann man sehen, welchen Fortschritt der böhmische Landmann in jüngster Zeit gemacht hat. Alles ist mehr modern, auf dem Hofe gibt es neue und zahl- reiche Maschinen, bequemere Wirtschaftsgebäude. In manchen Gegenden, in der Umgebung von Königgrätz, Kolin, Randnitz finden wir Bauernhäuser, die mit ihrer Einrichtung so manches städtische Hauswesen übertreffen. Neben moderner Einrichtung sind auf einem größeren Gute das Clavier, gute Stiche an den Wänden, freilich auch Farbendrucke von zweifelhaftem Werth und eine ansehnliche Bibliothek von ökonomischen, politischen und Unterhaltungsschriften keine allzu große Seltenheit. Das Leben auf einem böhmischen Bauerngute hat einen familiären Charakter. Das Gesinde nennt den Bauer „lwspoäär", die Bäuerin „llospockMe", doch häufig auch so wie seinen Vater und Mutter „pantata", „panimama". Der alte Ausgediuger lebt entweder mit der Familie des jungen Wirthes in demselben oder in einen: eigenen Gebäude, das „cliuloupka", „v^menek" genannt wird. Es kommt auch vor, daß die Brüder und Schwestern des Wirthes, iudem sie auf dem Gute iutabulirte Antheile haben, mit seiner Familie wohnen, so lange sie nicht anders versorgt sind, und dann erinnert eine solche, oft ziemlich zahlreiche Familie gewissermaßen an die alte Familie der ursprünglichen böhmischen Einrichtung.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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