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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 451 -
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451 Gelächter begleitet wird. Wem es gelingt, den Hahn zu erschlagen, der wird dann mit Musik ins Wirthshaus geführt. — Nach der Kirchweih folgen kurze Tage und lange Abende, die Feldarbeiten hören allmälig auf, es kommen die Hausarbeiten, namentlich das Spinnen und Federnschleißen, an die Reihe. Das Spinnen in den Spinnstuben (prästk^) hat sich jetzt nur noch in den ärmeren Gegenden erhalten, wo der Flachs gedeiht und wohin die Spinnsabriken bisher keinen Eingang gefunden haben. Die Spinnerinnen versammeln sich allabendlich in einem verabredeten Gebände, wohin sie ihre Spinnrocken schaffen und wo sie den ganzen Winter hindurch bis zum Aschermittwoch gemeinschaftlich Flachs spinnen. Häufig kommen auch die jungen Burschen hin, um sich mit den Mädchen zu unterhalten. Da werden Lieder gesungen, Märchen und allerlei Geschichten erzählt und Liebeshändel angeknüpft bis Mitternacht, worauf sich die Mädchen in Begleitung der jungen Männer nach Hause begeben. Einen Abschluß der Spinnperiode bildet die „lange Nacht" (cklvukä noc); in der zweiten oder dritten Faschingswoche sehen die Spinnerinnen nach, welche von ihnen am meisten Garn gesponnen hat; diese ist die Königin und muß den übrigen einen Schmaus geben. Anch das Federnschleißen (cki-uni psl-i) gehört zu den wichtigeren Hausarbeiten im Winter, denn die erste Sorge einer jeden Mutter ist, ihren Töchtern recht viel Feder- betten in die Ausstattung geben zu können. Es wird nämlich einem Mädchen zur größten Schmach angerechnet, wenn sie nicht einmal ein Federbett als Aussteuer bekommen hat. Das Federnschleißen ist jedoch bei weitem nicht so unterhaltend als das Spinnen, weil man sich dabei ruhig verhalten muß, um die Federn vom Tisch nicht wegzublasen; kein Wunder daher, daß man dabei bald schläfrig wird. Ohne uns bei den minder wichtigen Festen, als da sind: Allerseelentag (ckuSicek, 2. November; Gräberbesuch, Seeleulichter, Backwerk .äusiek)'-, das heißt Seelchen), heiliger Mart ins tag (11.November; Winterprognose aus dem Brustbein der Martins- gans, Backwerk»pocikovzl °, das heißt Hufeisen), heiliger Andreasabend (30. November; Bleigießen und andere Orakel), heiliger Barbaratag (4. December; die Mädchen setzen einen Kirschenzweig an einen warmen Ort ein und begießen ihn, damit er nmWeihnachten blühe), heiliger Nikolaustag (K.December; in den Häusern geht derMikuläs, das ist Nikolaus mit dem Teufel herum und beschenkt die braven Kinder) — länger aufzuhalten, wenden wir uns dem poesiereichsten und anmuthigsten Jahresfest, den Weihnachten (vünoce) zu. Die Weihnachtszeit beginnt mit dem heiligen Abend (stöckr^ vecer). An diesem Tage (24. December) fasten selbst die kleinen Kinder, damit sie die goldenen Schweinchen (?Iutä prssütka) sehen. Bei der Abendmahlzeit, an welcher nicht blos der Hausvater mit der Familie, sondern auch das Gesinde theilnimmt, ist der Tisch mit weißem Tischtuch gedeckt und unter den Speisen, welche aufgetragen werden, darf der Fisch und der SS»
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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