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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 461 -
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461 die beliebten Gestalten des neueren Romantisnms: Genovefa. Helena, die türkische Kaiser- tochter, den Grafen von Felsenburg, den Kaufmann von Venedig, die aus Comenius „das Labyrinth der Welt" entnommene Figur und nebst anderen die Comödie von den sieben Teufelsstricken. In beiden Gruppen ist der frühere seriöse Inhalt meistens zu einem derben, auch in sprachlicher Form verdorbenen Possenspiele herabgesunken, welches mehr die allgemeine Schaulust erregen konnte, ohne einer gesunden Erbauung zu dienen, weß- halb es denn auch bald dem vordringenden, von Dilettanten gepflegten Knnstdrama weichen mußte. Mit der Einfachheit des Inhalts hängt auch die ganze Ausführung dieser Volks- schauspiele zusammen. Als Bühnenraum galt mehrfach eine aus rohen Brettern gebaute unbedeckte Arena (tütrum-tksati-um), mit einem Vorhang aus weißer Leinwand und mit ziemlich dürftigen Coulissen aus demselben Stoffe. Öfter noch wurde dazu eine zu der Zeit der Aufführung leerstehende Scheuer gewählt, in den seltensten Fällen schlug die Volksmuse ihr Lager in einer großen Schankstnbe auf. Es ließ sich aber niemals das Publikum durch diese Einfachheit an theatralischem Apparat und Decorationen abschrecken und verfolgte mit ungetrübter Freude die ganze Darstellung. Die handelnden Personen erschienen wohl in einem ihrer Rolle angemessenen Kleide, wozu ihre Hausgarderobe mitunter herhalten mußte; dazu eignete sich die früher in Mode bestehende lange und faltenreiche Männerkleidung wohl besser als die jetzige. Könige, Priester und dergleichen hatten immer eine eigene Kleidung, sei es aus rother, weißer oder schwarzer Leinwand, und außerdem die Jnsignien, Krone oder Priestermütze, durch welche sie sich von den übrigen unterschieden. Der kräftige, aber maßvolle Ausdruck stach von der derben Sprache des übrigen Volkes ab, außerdem waren sie bemüßigt, durch würdevolle Haltung sich Respect zu verschaffen. Bei Christus und anderen Heiligen wurde die Tradition beibehalten, immer aber hing die Ausstattung von den finanziellen Verhältnissen ab. Vielfach begnügte man sich mit einfachen Verzierungen aus Papier, und das Publikum war nachsichtig genug, wenn es manchmal einen Bekannten in seinem gewöhnlichen Sonntagsanzug auf deu Brettern zu sehen bekam. Eine dem mittelalterlichen Theater entnommene Persönlichkeit war der „Prolog" oder „Ausrufer"; dieser setzte zu Anfang der Vorstellung den Inhalt und den Nutzen der „Comödie" auseinander und ermahnte dabei die Zuhörer zur Aufmerksamkeit und Ruhe, bedankte sich zum Schlüsse im Namen der agirenden Personen für den Besuch und lud zuletzt zu der künftigen Produktion ein, wobei er es niemals unterließ, an die freigebige Hand zu appellireu. Die Zuschauer saßen entweder auf Holzbänken oder standen gruppenweise in dem abgegrenzten Raume herum. Der Zutritt galt nur gegen ein Eintrittsgeld, welches jedoch
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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