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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 472 -
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472 Volkslied, und anderseits gibt es Volkslieder, wo weder das Eine noch das Andere vor- kommt. Das Wesen des Volksliedes liegt in der Ursprünglichkeit sowohl seiner Stimmung als des Ausdrucks, in welchem jene sich kundgibt. Neuere Dichter haben sich mitunter nicht ohne Glück in der Nachbildung solcher Weisen versucht, andere an ein Volkslied im Geiste und in der Sprache desselben angeknüpft. Das bekannteste Beispiel ist die Aus- spinnung der wehmnthsvollen Klage: „Li! xrvso na souvruti" — von Ole Bulls seelenvollem Spiel durch die ganze musikalische Welt getragen —, das Milota Zdirad Poläk in vier weiteren Strophen fortgebildet hat. Erben glaubte keinen Anstand zu nehmen, auch Poläks Dichtung in seine Sammlung aufzunehmen und dadurch als Volks- lied erscheinen zu lassen. Doch mit Unrecht, denn es wird wohl, bei allen Vorzügen seiner Dichtung, Jedem das Gekünstelte von Poläks vier weiteren Strophen gegen die Naivetät der ersten auffallen. Läßt sich ein beliebteres, mehr verbreitetes, ein populäreres Lied denken als das äoinvv müj", das einen Kunstdichter zum Verfasser, eiueu Kunst- musiker zum Tonsetzer hat? Es ist in der That für die Böhmen, so weit sie unter allen Himmelsstrichen wohnen, zum „Volkslied" in jenem Sinne geworden, wie man die Haydn'sche Kaiserhymne das österreichische „Volkslied" zu nennen Pflegt. Allein Volkslied in jenem Sinne, mit dem wir es hier zu thun haben, ist „Xäe ckomov müj" keineswegs, nicht blos um seines Ursprungs, sondern auch um seines poetisch-musikalischen Charakters willen. Was kann nicht Alles populär werden?! Wer erinnert sich nicht an das ziemlich alberne „^.t' se pinkl das in den Sechziger-Jahren auf allen Gassen gepfiffen, geträllert, gesungen, gebrüllt wurde? Ist es dadurch zum Volkslied im wahren Sinne des Wortes geworden? — Wie anregend das slavische Volkslied in einem anderen Gebiete wirkte, beweisen die Darstellungen des Malers Josef Manes, von dem wir drei Illustrationen reprodu- ciren; sie gehören zu den Volksliedern: (Die Entfernte), ?c>tecka (Tröstung), Xräva potöZeni (die Kuh ein Trost) und lauten: Berg, o Berg, wie hoch bist du! l Und sie welkt, bis sie verwelket! Liebchen mein, wie fern bist du, Hinter Bergen, die uns scheiden! — Liebe welket zwischen Beiden; Keinen Trost gibt auf der Welt es, Keinen Trost gibt es zu finden. Keiner mehr sür mich zu finden! Recht besorgt war der Arme Um das Brot, mit der Armen. Sagte da Gott der Herr, Gibts doch keinen größern Trost, als Eine Kuh im Stalle! Daß er hab' noch viel mehr, Daß er gibt Mehl zum Backen, Einen Sack für die Dalken. Morgens melken wir sie, abends Essen Milch wir alle.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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