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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 478 -
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478 auch auf dem Laude allenthalben in Übung war, jedoch als Musikstück von einer besonderen rhythmischen Physiognomie ist. Zunächst erscheint sie als inaäöra, auch nimra (ein Eigenname, ursprünglich: Tändler) nnd wird nach einer Volksweise getanzt; bald aber, etwa 1835, componirte der Lehrer Fr. Matthias Hilmar in Kopidlno die „Esmeralda- Polka", die Ahnfrau einer kosmopolitischen Nachkommenschaft, deren Zahl, manche Abarten und Nebenformen mit eingerechnet, geradezu Legion ist. Anderseits haben einzelne fremdländische Tänze auch schon in früheren Jahr- hunderten nicht nur willige Aufnahme im böhmischen Volke gefunden, sondern anch nnvertilgbare Spuren in dessen eigener Musik zurückgelassen. Das markanteste Beispiel ist wohl das Mennet, das bereits am Schlüsse des XVII. Jahrhunderts aus Frankreich nach Böhmen gebracht worden sein mag, um hier mit der Zeit zu einem der populärsten Tänze, minst genannt, zu werden, und zwar nicht blos in den Salons der Städter, sondern auch auf den Tanzböden abgelegener Dörfer. Wie gerne man die Mennetweisen zu Liedern benützte oder doch Melodien nach dem Mennetmodell gestaltete, lehrt ein Blick in die Sammlung Erbens. — Von den böhmischen Volksweisen lassen sich so manche mit Bestimmtheit auf frühere Jahrhunderte zurückführen, wie die zum „3e«MIc 2 ?rad)^e6e" bis 1609; die Melodie des Liedes kalinv" ist in verschiedenen Varianten schon im XV. und XVI. Jahr- hundert gesungen worden, eine andere Weise jener Zeiten, die zu , Xüea trüvu lebt in einigen mehr oder weniger nahe verwandten Abkömmlingen noch heute fort, nicht wenige der jetzt gesungenen weltlichen Melodien mögen mit alten Kirchengesängen in Zusammenhang stehen n. s. w. Überwiegend aber rühren sie aus dem XVIII. Jahr- hundert her, dem gegenwärtigen aber gehören nur wenige, wie zum Beispiel das rührende „Berg, 0 Berg, wie hoch bist du, Liebchen mein, wie fern bist du" an; von diesem will man sogar den Finder kennen, einen gewissen Bechyne, der als Soldat in Knttenberg in den Dreißiger-Jahren seine Geliebte ermordet hatte und den dann im Gefängniß zu Königgrätz Schwermuth und Sehnsucht zum Sänger machten. In noch höherem Grade als von der Melodie gilt das Gesagte von den Texten, von denen namentlich solche von Mordthaten oder sonst ungewöhnlichen Ereignissen einen älteren Ursprung haben dürften. Sonst spiegeln sich in dem böhmischen Volkslied, wie wir es heute vor uns haben, vorwaltend die Zustände des Volkes ab, unter denen es im vorigen Jahrhundert und noch bis gegen die Mitte des jetzigen lebte. Auf der einen Seite der unerbittliche Soldatendienst, der den unvorsichtigen oder verzweifelnden Burschen, sobald er „den weißen Rock" mit den farbigen Aufschlägen anzieht, Säbel und Karabiner umschnallt, wohl für immer aus dem Kreise der Seinen,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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