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Museen, Theatern, Curstadtpalästen und Riesenfabriken! Der stark hervortretende
Charakterzug der zähen, eisernen Thatkraft und grundfesten Gediegenheit, der dieses
Volksthum auszeichnet, kommt auch in seinen Wohnstätten ebenso zum Ausdruck wie
seine echtdeutsche Gemüthsaulage in der Ortswahl und inneren Wohnungseinrichtung.
Der elastische, so reg- und strebsame Volksstamm Deutschböhmens fand sich in allen so
verschieden gearteten Gauen des weitgedehnten Randgürtels zurecht und wußte sich uud
fein' Wohnhaus allen Natur-, Orts- und den oft so wechselnden Zeitverhältnissen
anzupassen; er siedelte sich nicht nur in den fruchtbarsten fetten Flußthälern, sondern auch
auf den kargen unwirthlichen Hochflächen und den rauhen unfruchtbaren Gebirgskämmen
an. „Nicht auf den griechischen Gebirgen" — schrieb der verstorbene erzgebirgische Volks-
schriftsteller Dr. Ferdinand Stamm — „nicht in der Nähe des Olymps, nicht auf den
Apenninen, Pyrenäen und Karpathen, selbst nicht auf den Alpen, den höchsten Gebirgen
Europa's, ist die Ausiedlung der Völker (zum wirkliche» gemeinsamen Culturbetrieb) am
höchsten hinaufgedrungen, sondern auf dem Kamme des Erzgebirges!" Auf einer Höhe
von über 3.000 Fuß (1.172 Meter Seehöhe) befindet sich eine ganze Stadt, das
betriebsame Gottesgab mit mehreren kleineren Ortschaften auf dem hohen Erzgebirgkamm
nächst dem „Sonnenwirbel" (Keilberg). Dieser Volksschlag scheut keine Höhe, er beherrscht
sie; er fürchtet keine Tiefe der Erde und dringt in den Erz- und Kohlenschachten auch
1.000 Meter und immer tiefer noch in das Erdinnere ein. Bei der Ortswahl und äußere»
Anlage tritt die Stammesart deutlich hervor. Noch heute zeigen zahlreiche Dörfer den
altgermanischen Charakter des Längen- und Gruppendorfes. Dies ist besonders in den
Vorgeländen der Randgebirge und in den Gebirgsthälern der Fall.
In den Landstrichen gegen das Innere des Landes zu, wo vor Zeiten die Slaven
siedelten, ist die Anlage der Ortschaften eine mehr geschlossene. Die Gehöfte, besonders
in den Hügelgebieten und an den Waldhängen, sind häufig ganz selbständig angelegt und
ohne ursprünglich planmäßige Verbindung miteinander, just wie es der Deutsche von
altersher nach Tacitns Berichten liebte, nach welchen der Germane dort seinen Sitz
aufschlug, wo ihm eben das Gefild, die Quelle, der Waldhain gefiel. Als bemerkenswerth
ist die häufige Anlage von Längendörfern hervorzuheben, wie sie besonders ausgeprägt
in den Vorgeländen des Erzgebirges, in diesem selbst, im nordböhmischen Grenzgebiete
bei Warnsdorf-Rumburg, sowie im Anpa- und Elbethal (Trauteuau uud Marschendorf
1^. bis IV. Theil) bis Dunkelthal und Hoheuelbe-Spiudelmühle-Petersdorf) im Riesen-
gebirge, ferner im Jeschken-Jsergan (Reichenberg-Maffersdorf u. f. f.) vorkommen. Diese
Längendörfer, wie das einem Bachlaufe folgende Brunnersdorf, ferner Zuflucht, Werns-
dorf (Bezirk Kaaden) bilden eine mitunter einen Kilometer lange einzige lose offene Gasse
von Einzelgehöften und Kleinhäusern und erreichen, wie z. B. das über 3.200 Einwohner
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch