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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 521 -
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521 Hochzeit in Prag vorgeführt wurde und besondere kaiserliche Anerkennung errang. Die Einleitung zur Hochzeit geschieht im Egerlaude wie auch in den meisten übrigen Gebieten Deutschböhmens nach der „Anrede", „Aariding" (Werbung) mit den Vorbesprechungen, dem sogenannten „Leihkauf," wobei meist ein als Vertragsvermittler wie als Lustigmacher gleich geschickter Beihelfer („Procurator") eine Hauptrolle spielt und die Parteien der Braut und des Bräutigams über Mitgift u. s. w. einigt. Es dauert manchmal acht bis zehn Stunden, bis Alles „in Richtigkeit" gebracht ist. Hierauf erfolgen die in der Regel ziemlich langen und kunstvoll gefaßten, oft auch gereimten, Anreden des „Procurator". Ist der „Leihkauf" gerathen, so beschließt ein fröhliches Mahl bei Musik und Tanz den Verlobungstag. Im Tachauer, Daubaer und Saazer Gebiete nennt man diese Feier „das Versprechniß", in Ostböhmen „die Zusohging". Hierauf ist es die Hauptsorge der Braut- mutter, die „Firtiug" (Ausstattung) für den möglichst stattlichen „Kommawogn" (Saazer- land), „Plnnna- (Plunder-) Wog'n" (Oberegerland), „Brautfuder" (Elbeniederland), „'s Gerille" (Danba) fertig zu bringen, wobei die „Tuatu"-Frauen (Pathinnen) fleißig mithelfen und die sogenannten „Tnatn"-Polster (Federkissen) fürs Brautbett beisteuern. Am Hochzeitstag selbst, meist am Dienstag, denn die richtige Hochzeit muß am „Jrda" (Dienstag) sein, wird die Braut vom Brautführer oder Bräutigam aus der Kammer geführt. Hierbei mußte er früher stets als „Haftelgeld" fünf bis zehn Thaler erlegen (das altdeutsche Brautkaufgeld!). Der Hauptschmuck der Braut besteht im Egerland im sogenannten „Glockenbändel" (ein Lederstreifen mit Messingsternen, an denen kleine Metallschildchen frei herabhängen) und der „Brautkrone" (in der Planer Gegend und im Riesengebirge auch „Nest" genannt), die aus Kunstblumen und Goldflitter gefertigt wurde. In neuerer Zeit hat besonders im Flachlande (Mittel-Eger und -Elbe) der städtische Brautkranz den alten volksthümlichen Brautkopfschmuck schon größtentheils verdrängt. Nachdem die Eltern das Brautpaar gesegnet, setzt sich der Hochzeitszug zur Kirche in Bewegung. Voran schreiten unter Pistolenschüssen die Musikanten (Dudelsackpfeifer im Egerlande), denen der Bräutigam folgt. Er trug sonst, und zwar zu jeder Jahreszeit „Fükksahaudschka" (Fuchspelzhandschuhe), eine Otterfellmütze und den Rosmarinstrauß. Ihm schließen sich seine männlichen Sippen mit rothen Seidenbändern an Hüten und Stöcken (Tepl, Plan, Tachan) an. Hieraus kommen: der Procurator, der Brautführer, die Braut (die dabei im Schuh ein Silberstück, in der Tasche ein Stück Brot trägt), die Kranzeljungseru, Geschwister und weitere Verwandte. Braut und Bräutigam dürfen sich auf dem Wege zur Kirche nicht umsehen, damit sie die Ehetreue halten. Regnerisches Wetter beim Traugang bedeutet Glück und Reichthum, Wind, der die Äste bewegt, Unfrieden in der Ehe und — Schläge! Schon beim Verlassen der Kirche beginnt manchmal das Aufhalten des Brautzuges durch über den Weg gespannte Schnüre, Stricke,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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