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Hochzeit in Prag vorgeführt wurde und besondere kaiserliche Anerkennung errang. Die
Einleitung zur Hochzeit geschieht im Egerlaude wie auch in den meisten übrigen Gebieten
Deutschböhmens nach der „Anrede", „Aariding" (Werbung) mit den Vorbesprechungen,
dem sogenannten „Leihkauf," wobei meist ein als Vertragsvermittler wie als Lustigmacher
gleich geschickter Beihelfer („Procurator") eine Hauptrolle spielt und die Parteien der
Braut und des Bräutigams über Mitgift u. s. w. einigt. Es dauert manchmal acht bis
zehn Stunden, bis Alles „in Richtigkeit" gebracht ist. Hierauf erfolgen die in der Regel
ziemlich langen und kunstvoll gefaßten, oft auch gereimten, Anreden des „Procurator".
Ist der „Leihkauf" gerathen, so beschließt ein fröhliches Mahl bei Musik und Tanz den
Verlobungstag. Im Tachauer, Daubaer und Saazer Gebiete nennt man diese Feier „das
Versprechniß", in Ostböhmen „die Zusohging". Hierauf ist es die Hauptsorge der Braut-
mutter, die „Firtiug" (Ausstattung) für den möglichst stattlichen „Kommawogn" (Saazer-
land), „Plnnna- (Plunder-) Wog'n" (Oberegerland), „Brautfuder" (Elbeniederland),
„'s Gerille" (Danba) fertig zu bringen, wobei die „Tuatu"-Frauen (Pathinnen) fleißig
mithelfen und die sogenannten „Tnatn"-Polster (Federkissen) fürs Brautbett beisteuern.
Am Hochzeitstag selbst, meist am Dienstag, denn die richtige Hochzeit muß am
„Jrda" (Dienstag) sein, wird die Braut vom Brautführer oder Bräutigam aus der
Kammer geführt. Hierbei mußte er früher stets als „Haftelgeld" fünf bis zehn Thaler
erlegen (das altdeutsche Brautkaufgeld!). Der Hauptschmuck der Braut besteht im Egerland
im sogenannten „Glockenbändel" (ein Lederstreifen mit Messingsternen, an denen kleine
Metallschildchen frei herabhängen) und der „Brautkrone" (in der Planer Gegend und im
Riesengebirge auch „Nest" genannt), die aus Kunstblumen und Goldflitter gefertigt
wurde. In neuerer Zeit hat besonders im Flachlande (Mittel-Eger und -Elbe) der städtische
Brautkranz den alten volksthümlichen Brautkopfschmuck schon größtentheils verdrängt.
Nachdem die Eltern das Brautpaar gesegnet, setzt sich der Hochzeitszug zur Kirche in
Bewegung. Voran schreiten unter Pistolenschüssen die Musikanten (Dudelsackpfeifer im
Egerlande), denen der Bräutigam folgt. Er trug sonst, und zwar zu jeder Jahreszeit
„Fükksahaudschka" (Fuchspelzhandschuhe), eine Otterfellmütze und den Rosmarinstrauß.
Ihm schließen sich seine männlichen Sippen mit rothen Seidenbändern an Hüten und
Stöcken (Tepl, Plan, Tachan) an. Hieraus kommen: der Procurator, der Brautführer,
die Braut (die dabei im Schuh ein Silberstück, in der Tasche ein Stück Brot trägt), die
Kranzeljungseru, Geschwister und weitere Verwandte. Braut und Bräutigam dürfen sich
auf dem Wege zur Kirche nicht umsehen, damit sie die Ehetreue halten. Regnerisches
Wetter beim Traugang bedeutet Glück und Reichthum, Wind, der die Äste bewegt,
Unfrieden in der Ehe und — Schläge! Schon beim Verlassen der Kirche beginnt
manchmal das Aufhalten des Brautzuges durch über den Weg gespannte Schnüre, Stricke,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch