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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 522 -
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522 Strohbänder u. s. w., das sogenannte „Fürziehen" (Egergebiet), „Schnurhalten" (Aussig), „Verschnüren" (Hohenelbe), und der junge Ehemann muß den Weg durch Auswerfen kleiner Münzen frei machen. Bei dem Gehöfte des Bräutigams wird die junge Ehefrau von einer weiblichen Verwandten desselben vor der geschlossenen Hausthür mit einem Willkommentrnnk empfangen. Die Braut leert das Glas und wirft es derart hinter sich, daß es zerschellt, um solcher Art mit ihrer Vergangenheit als Mädchen abzuschließen. (Überrest der alten Trankopfer.) Fällt das Glas nicht in Scherben, so muß es der Nächst- stehende rasch zertreten, damit sie Glück habe. Im Hause selbst muß die junge Bäuerin zuerst einen Laib Kornbrot anschneiden (Fruchtehrung). Dieser Anschnitt („Ober- rampftel" im Egerlaud, „Aufschnitt!" im Saazergan und Erzgebirge) wird von den jungen Eheleuten als ein Glückspfand aufbewahrt. Sodann führt man die Jungbäuerin dreimal um den Tisch und um das Haus und setzt sie zu Ende an den neuen Herd, damit sie heimisch werde und Besitz nehme vom neuen Eigenthum. Bei diesem Rundgang muß sie über kreuzweise gelegte Rechen, Sicheln n. s. w. steigen (Arbeitsehrung und -Segnung). Der Ehrentanz auf der Dreschtenne beschloß in früherer Zeit diesen ersten Theil der Hochzeitsfeier. Zum Wichtigsten gehört natürlich auch das Hochzeitsmahl. Hierbei hat der „Procu- rator" (Egergebiet), „Altvater" oder „Dariswart" (Niederelbe—Aussig—Leitmeritz n. s. w.) „Plampatsch", „Plumpatsch" (Plan, Tachau), „Huckstbietuer" (Reichenberg), „Plauder- mann", „Plampatsch" (Hohenelbe, Trantenan, Riesengebirge) erst seine größte Rolle zu spielen. Er ist der Ceremonien- und Tafelmeister, Hochzeitsmarschall und hat dabei auch alle möglichen Späße und Schnurrpfeifereien, als feierliche Ansprachen an den Kachel- ofen, die Speisezettel- und Ehepredigt und dergleichen mehr zu besorgen oder anzustiften, kurz die Seele der Hochzeitsunterhaltung zu sein. Eine Art Ergänzung findet er im Elbe- und Eger-Niederlaude an der sogenannten „Salzmäste", einer Art Brauthofmeisterin, welche ihn in der Leitung und Überwachung des Hochzeitsfestes unterstützt. Unumgänglich für jedes volksthümliche Hochzeitsmahl (besonders im Egerlande) sind die Reissuppe und der Hirse- brei, letzterer mit Honig reichlich versüßt und überdies mit Zuckerstängelcheu, Lebkuchen und dergleichen zierlich aufgeputzt. Daher gilt heute noch das Volkssprichwort an der Ober- eger von einem „Überalldabei": „Dear is wöi da Hirschbrei as alln Höichzatlan!" Ein guter Theil der Schüssel wird den „ausgeibendeu" ärmeren Kindern und „Armleuten" ausgetheilt. Zum Hochzeitsmahl bringen die Geladenen meist schon einige Zeit vorher ihre Gaben an Geflügel n. f. w. An manchen Orten (Reichenberg, Ostböhmen) geschieht das Brautbeschenken auch erst gegen Schluß des Mahles selbst. Die Hochzeitstafel wurde besonders in früheren Zeiten sehr reichlich ausgerüstet. Der Egerer Magistrat mußte in den Jahren 1360 und 1614 eigene „Leihkauf-, Hochzeits- und Kindstaufverordnungen"
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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