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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 525 -
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525 Seilziehen der Weg gern verlegt, und zuweilen bringt der Kammerwagenführer selbst trotz des kräftigen Viergespanns den Wagen nicht mehr weiter, bis er ein entsprechendes Geldgeschenk erhält. Bei reicheren Bauernhochzeiten fährt dem ersten meist noch ein zweiter kleinerer Wagen nach, der mit dem Bindergeschirr, dem Acker- und Wirthschafts- geräthe beladen ist; auch folgen die Kühe, Kalbinnen und Schafe nach, die der Braut als Mitgift zugetheilt wurden. In der Tachaner Gegend führte man dem Kammerwagen einst eine schwarze Henne nach, damit die Ehetreue bewahrt werde. Zu erwähnen ist noch die in allen Gebieten früher allgemein vorkommende Sitte des „Brauthaubens"; hier in der ersten Mitternacht, auderorts wie in und um Dauba auch erst am zweiten Tag, dem sogenannten „Weibertanztag", wird der Jungfrau das „Nest" oder „Hochzeitskräuzl" von den Freundinnen abgenommen und die Fraueuhaube feierlich aufgesetzt. Als Besonderheit ist noch zn verzeichnen, daß in Altreichenberg die Jung-Fran in der ersten Hochzeitsnacht oft noch in väterlicher Obhut im Elternhause verblieb, worauf am nächsten Morgen noch ein Kirchengang und sodann im Bräutigamshause das Bruderschafttrinken der neuen Verwandtschaft und Freundschaft stattfand, worauf das junge Paar nunmehr seinen Ehestand antrat. Auch Geburt und Tod wurden von altersher in ganz Deutschböhmen durch ver- schiedene Gebräuche für das Volksleben besonders bedeutsam gemacht. Am allgemeinsten und längsten hat sich, wie leicht erklärlich, der Kindstaufschmaus in allen Gebieten erhalten. Kommen die Pathen (in manchen Bezirken wird, besonders in neuer Zeit, uur ein einziger gewählt) mit dem Neugetauften glücklich heim, so wird der ohnehin nöthige Imbiß gewöhnlich zu einem Kindstaufmahl erweitert und erhöht, von dem auch die benachbarte Jugend gern ihren Theil haben will, denn sie pflegt „auf den Stopfer" zu kommen (Asch, Eger, Kaaden, Podersam n. s. w.) und „aufzugeibeu" (Aubachthal), „uff de Geiba" zu gehen (Elbe-Niederlaud-Leitmeritz u. f. f.) und erhält in der Regel „Bntterfemmeln", Honigschnitten, Bretzeln, Kuchen u. s. w. In den Elbegegenden, um Aussig, zum Theil auch an der Unter- und Mitteleger, besteht das volksthümliche Gevatteressen, das oft erst in den letzten Tagen der Wochenbettzeit stattfindet, in einer kräftigen Biersuppe. In neuer Zeit ist — vor Allem im Saazer Lande und Aubachthal — nach städtischer Allerwelts- mode der Festkaffee mit Kuchen und Backwerk als Taufimbiß allgemein üblich geworden. Auch die Landbevölkerung hat sich leider schon größtentheils ihrer kräftigen, gesunden und billigen Hausmannskost entwöhnt und nach städtischer Art neuen raffinirteren, meist fremden Speisen und Getränken zugewendet, die in der Regel mehr Reiz- als Nährmittel sind und zur Nervosität, Verschwächlichuug und all den bekannten modernen Lebenserscheinungen führen. Kleine Patheugescheuke, „Patheubriefe" mit größeren Silbermünzen (Theresien- thalern n. s. w.) oder Dncaten waren weithin üblich. Die Wöchnerin selbst erhielt durch
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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