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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 528 -
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528 Allgemein geübt ist seit jeher in Deutschböhmen am Andreasabend das Schuhwerfen und Bleigießen, wobei am Saume des Erzgebirges, im Komotauer Bezirk, der Spruch in Übung ist: „Schüchel aus, Schüchel ein, wo werd' ich nächstes Jahr wohl sein?" Der Hauptbrauch in den Bauernsiedlungen ist jedoch seit langem das „Loosen-", „Horchen-" und „Anklopsen"-Gehen, um zu erfahren, ob Glück oder Unglück bevorstehe, Hochzeit, Wanderschaft oder Tod, Frucht oder Uusrucht. In den letzten Jahreswochen untertags, besonders aber abends gehen die „Zembern" um. (Der Name ist von „Zimber", „Zimberich" abzuleiten, furchteinflößender, gewalt- thätiger Mann.) Der Zember, im gesammten Egerlande, Erzgebirge und in den Elbegebieten auch „Rupprich", „Rupprecht" (nach dem Knecht Rnpprecht des Bischofs Nikolaus so genannt) erscheint im Zottelpelz, mitunter auch als „Bär" oder „schwarzer Mann" mit klirrenden Ketten und großem Schnappsack, öfter auch in Begleitung des frommen Nikolaus iu den Höfen und Stuben, straft oder belohnt die Kinder und mahnt sie, folgsam zu sein, damit das „Born-Kinl" (Christkind) nach seinem Bericht recht viel beschere. Mancher Zember neckt und schreckt auch gern seine Herzliebste oder jene, die es nächstens werden soll, und so gibt das Zembern für alle Theile viel dramatisches Leben in den Bauernstuben. Im Erzgebirge (Eisenberg) begleitet öfter auch St. Petrus den „Rupprich". In Reichenberg und Gebiet kommt der gute Nikolaus schon am Andreas- abend, füllt den Kindern die vor das Fenster gehängten Strümpfe mit Äpfeln, Nüssen und beschert ihnen den „Andreaskranz". (Kommt ortsweise auch im Saazergau vor.) Bemerkenswerth ist es, daß in dem mehr abgeschlossenen „Braunauer"-Ländchen (Ost- böhmen) an Stelle des Rupprich die sogenannte „böse Braut" umgeht (die altgermanische Frau Berchta). Weihnachts- und Krippenspiele waren in ganz Dentschböhmen stets in Übung und sehr gepflegt. Diese Weihnachtsspiele wurden in den einfacheren Formen als Haus- und Familienspiele und höchstens mit Beiziehung der Nachbarschaft auf- geführt. In den Grenzgebieten Nordböhmens (bei Warnsdorf, Rumburg, Schluckeuau) vereinigen sich Kinder von 10 bis 14 Jahren zu kleinen von Haus zu Haus wandernden Christspieltrupps, in welchen der heilige Christ, Nikolaus, Petrus, ein Engel und der Knecht Rupprecht vertrete» sein müssen, der gewöhnlich auf den Ruf: „Rupperus, Rupperus komm herein", mit absichtlichem Stolpern zur Thüre hereinfällt. Dieser Brauch erstreckt sich auch über Leipa. In der Regel wurden die Christspiele seit jeher von Erwachsenen aufgeführt, die auch planmäßige Wanderschaften (Gastspiele) unternahmen und dabei allerlei Gaben einsammelten, so daß das Christspiel für ärmere Leute auch zu einem Neben- erwerb wurde. Am weitesten entwickelten sich die Weihnachtsspiele, wo in bestimmten Häusern gewissermaßen stehende Bühnen dafür eingerichtet wurden, wie dies einst in den
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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