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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 536 -
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536 das Obsiegen des Sommers. Im Erzgebirge und Komotauer Flachlande bis hin an die Mittel-Eger gingen die „Sommer- und Wintersänger" durch die Dörfer und Städte, der eine als „Winter", der andere als „Sommer" gekleidet, um in charakteristischen Wechselreden und Liedern den Naturkampf dramatisch darzustellen. Andere trugen „Särgleiu und Schlange" (den im Sarge gefangenen Winter und Tod!) umher. Der allgemeinste Brauch dieser Art, der sich über das ganze Land erstreckt, ist das „Todaustragen" vor oder nach dem sogenannten Todteusonntag. Die von Knaben oder Burschen auf Stangen in die Fluren getragene Strohpuppe (auch die Mädchen tragen ihre „Tödin" aus), die zum Schluß unter Singen und Jubeln verbrannt oder ins Wasser geworfen wird, bedeutet ebenfalls den sterbenden Winter, und der ganze Brauch ist somit eine Vorfeier des Frühlings- und Osterfestes. Ein Schritt weiter zur Frühlingsfeier ist das „Sommerdockengehen" (im Eger- und Elbe-Unterlande), im Riesengebirge „Sommergehen" genannt. Junge Mädchen ziehen mit einer schöngeschmückten, in einem Tannenzweig befestigten Puppe („Docke") in die Häuser und sagen und singen den Sommer an. Das Osterfest selbst, das durch alle diese Vorläufer einbegleitet wird, hat als das zweitwichtigste Natur- und Kirchenjahresfest ebenfalls zahlreiche allgemeine und besondere Gebräuche aufzuweisen. Am Gründonnerstag Morgens vor dem Frühmahl betet der Bauer im Saazer Gebiete in Garten und Feld, damit die Frühjahrssaat gedeihe (Saat- segen). In Ostböhmen (Reichenberg) wird vor Sonnenaufgang ein Brotbissen mit Honig in den Brunnen und in die junge Saat geworfen (Befriedigungs- und Geisterbannopfer). Im Leipagan reicht man den Hunden ein Stück Honigsemmel, um sie gegen die Tollwuth zu sichern. Im Reichenberger Landgebiete, auch an der sächsischen Grenze und anderen Orten, wird am Gründonnerstag bereits das Maisahrtliedchen mit dem Spruch: „Mai, lieber Mai, bescher' uns Käs und Ei" vorausgesungen und das „Grüudonnerstaggehen" zu einer Art Maigang gemacht. Am lebensvollsten gestaltete sich diese Sitte seit längeren: im „Braunauer Läudcheu", wo am Gründonnerstag eine allgemeine Wanderung der Jugend zu Fuß und zu Wagen zu ihren meist über das ganze Gebiet zerstreuten Pathen stattfindet und zu einem förmlichen Volksfest wird. Am Charsreitag fanden an manchen Orten, wie in Zwickau, eigene Charfreitagfpiele statt. Am Charsamstag Morgens ist in den Komotauer, Saazer, Kaaduer, Leipaer und anderen Bezirken das Waschen im fließenden Wasser üblich, das zur Schönheit und gegen Krankheit hilft. Am Abend des Tages holen die Mägde an der Mittel-Eger und im Anbachthal junge Korufaat, die grüne „Ostersaat", um sie am frühen Ostermorgen allen Hausgenossen im Bett über- znstrenen und auch die Rosse und Rinder damit zu füttern, der erste frische Frühlingsgruß der neuerwachenden Natur! Die Bauern unternehmen nach Mitternacht bis vor Sonnen- aufgang den „Osterritt" in ihre Fluren, damit Alles gedeihe; bei Sonnenaufgang können
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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