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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 540 -
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540 zur Erlösung gegeben, wie dies die Sage unter anderen auch vom sogenannten „Erdbeer- mädchen" im Tichlowitzer Thal bei Tetschen erzählt. Den letzten Festkreis des Volks- und Naturjahrs bilden die Ernte- und Frucht- feste, die unter dem Einfluß der christlichen Kirche „Kirchweihfeste", „Kirchmesse" genannten Herbst-Volksfeste. Ist das Weihnachts- (Jnl-) als Hofsnnngsfest das idealste dem Sinn wie der Sitte nach, so ist das allgemeine Herbst- als Fruchtfest das gewöhnlich- sinnlichste im Reigen der Jahresfeste des Volkes. Dieser Umstand erklärt es auch, warum diese Schlußfeste des Wirthschaftsjahrs, obwohl sie sich der Sache nach lang und breit genug erhalten haben, doch des tieferen Gehaltes, der reicheren poetischen Ausschmückung seitens des Volksbrauches mehr denn alle anderen entbehren, und so ist denn bei diesem Festkreise verhältnißmäßig wenig Bemerkenswerthes zu verzeichnen. Im Mittelpunkt steht die allgemeine „Landkirchweih", Kaiser-„Kermst" (Nieder- Elbe, Aussig u. s. w.), Kerms (Saazerland), Kerwa (Ober-Egerland), welcher die einzelnen Kirchen-und Ortserntefeste, die sogenannte „kleine Kirchweih" und die „Nachkirchweih" wieder die gewohnte weitere Umrahmung geben. Zur rechten Kirmes gehört ebenfalls wieder ein für diese Zeit charakteristisches Hausgebäck: der Kirchweihkuchen, der in dem im Eger- und Elbegebiete üblichen sogenannten „Schiwagga"-Kuchen, einem großen, in fünf bis sieben Streifen mit verschiedenem leckerem Aufputz versehenen, also Alles in sich vereinigenden Haupt- und Gefammtknchen seine höchste Stufe erreicht. Nebst reicherem Fleischgenuß, dem Kuchenschmaus und ausgiebigem Trunk würzigen Hopfenbiers, das besonders im Hopfen- und malzberühmten Eger- und Elbegebiete meist gut und billig zu haben war, bildeten den Hauptreiz einer jeden Kirchweih bis heute Musik und Tanz. Die fruchtbaren, mit wohlhabenden Dörfern reichgesegneten Fluren an der Eger und Elbe waren vor Jahrzehnten noch berühmt durch ihre Kirchen- und Kirchweihfeste, bei welchen es gar stattlich und fröhlich herging, die Banknoten und Thaler flogen und oft mehr als ein Paar Schuhe von den Bauernmädchen in zwei bis drei Tagen durchgetanzt wurden. Im Mittel-Egergebiete, insbesondere im Aubachthale, wurde damals auch noch die poetische „Goldstunde" hochgehalten. Am Kirchmeßsonntag nach dem Kirchengang kam vor Allem die Jugend im ansehnlichsten Wirthshaus für eine Stunde zu einem Vormittagstanz zusammen, der die „Goldstunde" hieß. Hier trafen Burschen und Mädchen meist ihre Herzenswahl und manche schlanke, lebensfrische Bauerstochter vom schwarzen oder rothen Boden kam dann im nächsten Fasching bereits unter die ersehnte „Goldhaube". Sonntag Nachmittags beginnt in der Regel noch heute der Kirchweihtanz. Fast jeder Bursche oder Bauer, der es haben konnte, schaffte sich sonst seinen „Reiher" (Reigen) an, um mit seiner Erwählten oder Eheliebsten einen „Vorreiher" zu tanzen. Musik, Tanz und Lustbarkeit dauern meist
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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