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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 542 -
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542 die ganze Nacht, kräftige Raufhändel würzen ab und zu die laute Festfreude, und erst früh Morgens lassen sich die Letzten von den Spielleuten „heimgeigen" und „heimblasen". Der Kirchweihmontag wird, wie dies besonders an der Mittel-Eger Sitte ist, aber- mals dem Kirchenbesuch und vor Allem dem Besuch — der Todten auf dem Friedhof (nächst der Kirche) gewidmet. Dieser Brauch ist so recht charakteristisch für die deutsche Volksart in Böhmen und tief im Wesen des Volkes begründet, das zuweilen wie die Kindesnatur rasch zwischen den Hauptgegensätzen zu wechseln pflegt und auch mit dieser Sitte voll tiefer Treue den uraltdeutschen Brauch noch immer fortsetzt, bei allen größeren Festen auch der abgeschiedenen Seelen, der „Geister der Verstorbenen" zu gedenken, theils in liebevoller treuer Erinnerung, theils aus frommer Scheu mit der Absicht, die Seelen der Todten, die nicht mehr am Feste leiblich theilnehmen können, zu ehren und zu befriedigen. Und so kommt es vor, daß dieselben Musikanten, Bursche und Mädchen, die Sonntags von der Kirche in die Tanzstube zogen, am Kirchweihmontag im bunten Tanzanzug von der Schenke wieder zur Kirche und zum Friedhof wandern, um auf den Gräbern der Verstorbenen leidergriffen und andächtig zn beten. Die öffentlichen Volkslustbarkeiten, die früher am Kirchweihmontag Nachmittags stattfanden, das Aufführen eines komischen Hochzeitszuges insbesondere mit der sogenannten „alten Braut", der „Hahnenschlag" (der wieder an das altgermanische Hahnenopfer mahnt!), das „Katzenwerfen" und Ähnliches sind bereits seit längerem im Aussterben begriffen. Im Elbegebiete (Niederland) war auch das sogenannte „Bockstürzen" üblich, ein aus dem slavischen Grenzgebiete herübergenommenes Spiel, das einst auch, und zwar am 25. Juli in Reichenberg stattfand und als Überrest der alten Glaubenskämpfe (Heiden- stürzen) betrachtet wird. Zum Schluß sei noch das „Kirmeßgossotnen" erwähnt, das an der Mittel-Eger, insbesondere im Kaadner Stadtgebiete am Kirchweihdienstag in Übung war und darin bestand, daß Kameradschaften mit und ohne Musik mit dem Hauswurst und dem „alten Weib, das den Mann im Korbe trägt", die Gassen durch- schwärmten, allerlei Schabernack trieben und schließlich die erhaltene oder eroberte Beute im Tanzsaal verzehrten. Eine besondere Entwicklung und Ausbildung haben auch die eigentlichen land wirth- schaftlichen Gebräuche in Deutschböhmen erfahren, das ja dem Bauernthum seit jeher in weiten Gebieten so fruchtbare Grundlagen bot. Wie im Innern des Familienlebens so übt der deutsche Bauer Böhmens auch bei allen wichtigeren landwirthschastlichen Arbeiten und Vorkommnissen in meist sinniger und poetischer Weise gern der Väter uralten Brauch. Bei der ersten Pflugausfahrt im Frühling wird ein Ei (Zeichen des Lebens, der Frucht- barkeit) und ein Stück Brot unter die Pflugachse gelegt (Ober-Egergebiet) und der Ackerknecht bei der Heimkunft mit Wasser begossen, damit der fruchtbare Regen nicht
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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