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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 544 -
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544 Besonders malerisch und mitunter poetisch und idyllisch gestalten sich in den Haupt- gebieten des berühmten Hopfenlandes, vor Allem im hervorragendsten, im Saazer Hopfen- gau, die Hopfenpflücke und das „Hopfenpflückerfest." Die „Hopfenweiner" heben und ziehen die Stangen vom Grunde, schneiden die Reben ab und in oft sehr malerisch mit dem Rebgehänge des Hopfens bedeckten fliegenden Lang- und Rundlauben, „Wanden" (Bauden) genannt, die gegen Sonne, Wind und kurze Regenschauer schirmen, sitzt Alt und Jung an den großen runden Flachkörben und pflückt die würzigen goldig-grünen Hopfendolden; melodische Volkslieder erklingen, Märchen und Geschichten werden laut, und kommt es zum Ende, sind die letzten großen Zichen und Körbe voll, so wird aus den schönsten Hopfen- ranken und größten Dolden, aus Gartenblumen, Riechkraut und farbigen Bändern der stattliche Hopfenkranz gewunden, Roß und Wagen erhält Blumenzier, und unter Singen und Jauchzen ziehen die Hopfenpflücker heimwärts zum Hopfenkranzfest, das im Weiteren ähnlich wie die „Sichellege" verläuft. In neuererZeit, die mit ihrem für die Landwirthschaft zum Theil nicht besonders günstigen größeren Industrie- und Verkehrsleben vor Allem das alte patriarchalische Verhältniß zwischen demBauer und seinen Hilfsarbeitern wesentlich geändert hat, verliert sich mit manchen anderen Volksbräuchen auch die Freude der Bauern- schaft an den altgewohnten poetischen Erntefesten. Doch sucht man neuestens in gebildeten Kreisen die alten bäuerlichen Bräuche wieder zu beleben und durch allgemeine Volksfeste zu erneuern, wie dies zum Beispiel im Herbst (20. October) 1891 in der Landstadt Pomeisel (Saazerland) geschah, wo der landwirthschaftliche Vorschußverein ein öffentliches Erntefest mit Festwagen und einem allgemeinen Festzug veranstaltete. Auch die Drescher, die in neuer Zeit ebenfalls immer mehr von den Göpel- und Dampfdreschmaschinen verdrängt werden, üben ihre alten Gebräuche, insoweit ihnen die nüchterne Gegenwart dies noch gestattet, und halten nach dem „Ausdrusch" ihr „Drischellegfest". Wer beim „letzten Stroh" den letzten Drischelschlag macht, bekommt den sogenannten „Alten" und wird dafür „gefoppt" (geneckt) und gehänselt. Den Nachbar, der etwa noch nicht ausgedroschen hat, neckt man mit einem Strohmann, der Hausbäuerin aber wird ein kleiner Strohbund, der „Alte", in die Küche zum Ofen geschmuggelt und sie muß damit anheizen und dann das „Dreschermahl" anrichten. Auch manche der ländlichen Rechtsbräuche haben sich bis in die letzten Jahrzehnte erhalten, wie z. B. die alte „Gerichtshand" und der „Gemeindehammer", der noch bis in die neuere Zeit in manchen Eger- und Erzgebirgsdörfern von Haus zu Haus getragen wurde. In den Land- und Bezirks- (ehemals auch Kreis-) Städten bildete das städtische Volksleben Deutschböhmens ebenfalls manche bürgerlich-gesellige Feste aus, wie die Feste der Scharfschützengilden in Eger, Karlsbad, Saaz, Kaaden, Komotan, Aussig, Leitmeritz, Reichenberg, Trauteuau u. s. w., die Feste der Bogenschützen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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