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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 548 -
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548 Volksepik sind Zeugnisse vorhanden. Das älteste der deutschen Literatur erhaltene deutsche Bergmannslied, das sich an eine Begebenheit um das Jahr 1413/14 anschließt, stammt aus Böhmen (Kuttenberg); ein anderes Volkslied (aus dem XVI. Jahrhundert) behandelt ein Biertnrnier in der Erzgebirgsstadt Joachimsthal. Im Allgemeinen und Wesentlichen schließt sich das Volkslied der Deutschen in Böhmen an die Volksliedergruppen der deutschen Hauptstämme an, mit welchen sie seit jeher in so naher und reger Verbindung standen (Handels-, Rechts- und Literaturverkehr,Kriegs- fahrten, Studenten- und Handwerkerwanderschaften). Im Einzelnen hat sich jedoch das Volksleben Deutschböhmens auch selbstschöpferisch genug erwiesen, viele der allgemeinen deutschen Volkslieder auch selbsteigen für sich umzuformen und auch manche eigenartige Lieder selbständig sich zu schaffen, die eine umfangreiche Sammlung füllen würden. Diese kam bis jetzt freilich nicht in der wünschenswerthen Form zustande, da es an der nöthigen öffentlichen Unterstützung und Förderung fehlte. Der weite Kreis des Volksliedes Böhmens, das durch die Vermittlung Südböhmens mit dem deutschen Volkslied Junerösterreichs im Zusammenhang steht, umfaßt alle Gebiete des weit ausgedehnten Grenzringes. Doch ist seine Entwicklung und Pflege eine merkbar ungleiche. Das Hauptgebiet des deutschen Volksliedes in Böhmen ist die Westhälfte des Landes. Hier blüht, vom Böhmerwalde angefangen bis hinauf zum fernsten Nordwest, bis zu den Höhen des Erzgebirges und den Geländen an der Eger und Elbe, der deutsche Volksgesang seit langem in reicher Fülle. In Westböhmen herrscht Begabung und Vorliebe für Musik, Gesang und Volkspoesie vor; nach Ostböhmen zn schwächt sich die Geltung des Volksliedes ziemlich auffallend ab und die Anlage und Neigung der Bevölkerung für das Malerische tritt in den Vordergrund. Die ersten, einfachsten und häufigsten Formen des Volksgesanges, die „Vierzeiligen", die längere Zeit in weiten Kreisen unter dem Namen der „Schnadahüpfel" nur als Besonderheit der Alpenländer galten, sind in Deutschböhmen sehr reich vertreten. Sie kommen als sogenannte „Stückla" im Süden und Westen (Böhmerwald und Ober-Egergebiet), als „Gesätzl" im Saazerlande, als „Schlnmperliedln" (thüringisch-sächsisch) im Erzgebirge und als „Zenscherliedla" (schlesisch) auch im Riesen- gebirge seit langem vor (hier freilich viel spärlicher) und setzen sich selbst in der neuesten Zeit zuweilen noch lebenskräftig in zeitgemäßen Neubildungen fort. In Nord- nud Ostböhmen sind sie allerdings seltener, allein sie fehlen selbst im sangesarmen Riesengebirge nicht so ganz und gar. Freilich ist die Entwicklung und Pflege des Volksgesanges überhaupt in diesem naturstrengen Gebiete im Vergleich zu Westböhmen eine derart geringere und verschlossenere, daß in ziemlich weiten Kreisen selbst der Einheimischen die Ansicht sich leicht verbreiten konnte, im Riesengebirge gäbe es keinen Volksgesang! Dennoch sind auch im sangesarmen Riesengebirge immerhin manche „Vierteilige" und Volkslieder,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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