Seite - 554 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Bild der Seite - 554 -
Text der Seite - 554 -
554
Holb Wix und holb Wox
Und ani Cond wochst ka Flox, Wos hob ich 'n gheiret,
Jetz hob' ichs davo,
A Stubm voll Kiuner,
An trntzinga Mo! 2
Und a dickköppets Mavl
Mög ih a ze kan Schotz! >
Zum Schluß mögen noch zwei Vierzeilige aus Ostböhmen folgen, und sei bemerkt,
daß sehr wenige dieser Art dort bekannt sind.
Aus dem reichen und mannigfaltigen Inhalt des Volksgesanges der Vierzeiligen
läßt sich bei allgemeiner Überschau erkennen, daß das Volksthum Deutschböhmens das
Hauptgewicht auf den Gesühlsansdruck und Gedankeninhalt legt und die musikalische Aus'
stattung weniger berücksichtigt. Die Melodien dieser Liedchen sind meist einfach und ziemlich
kunstlos, doch oft recht innig und sinnenfällig. Die den Alpenländern so charakteristischen
und zuweilen ziemlich kunstvollen Jodler und Jauchzer sind in Deutschböhmen verhältniß-
mäßig weniger ausgebildet. Nur in Süd- und Südwestböhmen, wo auch Steirerlieder sich
im Volke eingebürgert haben, singen die Hütbuben und Mädchen beim Viehhüten etwas
Ähnliches, und zwar nach alter heimatlicher Weise den sogenannten „Trondie", eine
Melodie ohne Worte. Sie nennen dieses Singen bezeichnender Weise auch „almen".
Charakteristisch für das deutsche Volkslied in Böhmen und das Volk selbst ist, daß es
wohl einen großen Reichthum an sehr poetischen, auch an naturderben, gesundkräftigen
Liebes-, Standes- (Bauern-, Bergmanns-, Soldaten-, schönen kirchlichen und historischen
Gelegenheits-) Liedern aufweisen kann, auch zahlreiche und großentheils treffende Scherz-,
Fopp- und Spottlieder besitzt, dagegen verhältnißmäßig sehr wenige Trink-, Rausch-,
Rauf- und Wildschützenlieder hervorgebracht hat, die in manchen anderen Gebieten so
häufig vorkommen. Bodenwüchsige Soldaten- und Kriegslieder gibt es in dem bekanntlich
sehr tapferen Volksthum und dessen im Laufe der Jahrhunderte so oft vom Kriege
heimgesuchten Gauen manche von charakteristischer Art. An die schweren Schweden-
kriege erinnert heute noch die nun als Kinder-Stillliedchen in Nordwestböhmen gebrauchte
Mahnung:
Beet Kinnl, beet, Öitza iimmt da Oxensterna,
Öitza kimmt da Schwcd, Wird den Kinnln bet'n lern«!
Hinter der Hnlerstan n (Hollnnderstande)
Qnigketzt (zirpt) a Gril,
Kon me der Pui (Bub, Bursche) gean hom,
Der mi net wil? 2 Zwa scheckiche Ochsa
On a bückliche Kuh,
Dos get m'r mei Voter,
Weuu ich heirota thu.t
' Saazerland, Aubachthal. 2 Mittel-Egergebiet, Erzgebirge. ^ Nordostböhmen, auch Westböhmen. * Ostböhmen, Riesen-
und Adlergebirge. Auch Nordwestböhmen, Erzgebirge.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch