Seite - 555 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
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Aus der Zeit des siebenjährigen Krieges stammt das folgende kriegerische Volks-
gebetlied:
Höchster Gott, gib deinen Segen,
Über das Haus Österreich,
Bring' den Frieden uns znwegen,
Das bitten wir allzugleich. Stärk' Theresia ihre Waffen,
Dämpf' des Feindes sein Hochmuth,
Thu uns Gott doch nicht verlassen,
Weil wir dich anrufen thun, i
Einen wirksamen Gegensatz bildet das ans den mannigfaltigen Kriegsliedern gegen den
ersten Napoleon bekannte soldatische Spottliedchen mit folgendem Wortlaut:
S Bonapartl is oitza nimma stolz,
Honnlt mit Schweflholz, Schreit Gossn af und oh:
Lcut kafft ma Schwefl oh! -
Auch die Kriege der Jahre 1859, 1864 und 1866 haben zu verschiedenen Volks-
liedern angeregt. Die Heldenthaten des österreichischen Heeres und besonders der heimischen
Truppen wurden in Liedern und Volksballaden, wie in den Gesängen vom 10. Jäger-
Bataillon, von der Schlacht bei Magenta, von dem Gefecht bei Trantenan und anderen
verherrlicht. Die beiden Lieder: „Das Grab von Sancta Lucia" und „In Böhmen ist
ein Städtchen", welche den berühmten Heldenkampf des 10. Jäger-Bataillons in Italien
behandeln, sind in Deutschböhmen, vor Allem an der Mittel-Eger weithin verbreitet und
volksbeliebt. Sehr zahlreich sind die Liebeslieder und Balladen. Außer den bei den deutschen
Hauptstämmen allgemein bekannten Volksliedern dieser Art hat Deutschböhmen viele selbst-
eigene aufzuweisen, worunter manche sich durch tiefere poetische Empfindung und edlere
Fassung bemerkbar machen. Zu deu populärsten derselben gehört im ganzen Egerland-
gebiete: Da schmol Rai.
Gäih ih üwaran schmol'n Rai,
Siah — r — ih ma Maidl alai,
Hont sie a Töichl n waint.
„Fains Maidl wai niat a sna säia (so sehr)
Za dia knmm' ih nimma mäia!"
„Zwa schöll ih niat graina und schreia?
Gäihst furt, how ih kam Fraia.
Gäihst furt und mih lasst sitz'n, sitz'n,
Wäa scholl ih den z'Gvattern bittn?
Drei Gvattern mou ih scho hobm, scho hobm,
Das Lied schließt mit folgenden versöhnenden Worten:
Döi mia ma Kind za da Taff trog'n.
Is denn scho Wieda Mittogh, Mittogh?
Ho nn koa Handl vnl Gros,
Wos wean denn mainä Lent sogn, Lent sogn.
Wenn ih wia kaa Gros meia haimtrogn?
Meina Lent, döi sog'n ma niat vüll,
Kari (Kann ich) mochen, wos ih nea wüll,
Kari «lochen, wos ih näia mogh,
Wal mih kaan Bon mäia mogh.
„Fains Maidl, stäih af, fain nea g'schwind,
Daina Kaiwla lassn all in Stall üm,
S' Goldringl how ih dia kaft, dia kaft,
Zwa Turkltäuwala san draf; Döi Turkltäuwala san schäi, san schäi
U kaa — r — annara schöll za dia gaih,
Kaa — r — annara schöll di niat kröign,
Schöll mia ma Heazl betröibn.^
l Nordböhmcn, Kreibitz.' Westböhmen, Ober-Egerland. ^ Ober-Egerland.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch