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der „Heimatsklänge", Dr. Josef Stocklöw (aus Pürstein, derzeit k. k. Bezirksrichter in
Auscha), Neck. Dr. Lorenz (gestorben 1. December 1860 zu Eger), UecZ. Dr. Michael
Urban in Plan (Westböhmen); die Naturdichter: J/Diiml, Schuhmacher in Eger, in Ost-
böhmen Hieronymus Brinke, der am 7. September 1880 in Tanndorf (Bezirk Rokituitz)
im Alter von 80 Jahren verstorbene Weber, Kleinbauer und humoristisch-satirische Volks-
poet des Adlergebietes. In neuer Zeit ist die Pflege der mundartlichen Dichtung iuDeutsch-
böhmen eine immer regere geworden und werden bei einer ähnlichen künftigen Über-
schau diesfalls zahlreiche neue Namen aus dem jüngeren nachstrebenden Geschlecht zu
ueunen sein.
Volkssagen. Welch großer Reichthum an Geistes- und Gemüthsleben das deutsche
Volksthum Böhmens auszeichnet, beweist auch sein ebenso umfangreicher als gehaltvoller
Sagenschatz. Ein großer Theil entstammt ebenfalls dem allgemeinen germanischen Sagen-
kreise; ein anderer, fast größerer ist jedoch dem heimatlichen Boden und Volksthum und
dessen Entwicklungsgeschichte selbst entwachsen. Allgemein-germanischen Ursprungs sind
vor Allem Deutschböhmens Götter- (Geister-) und Natursagen oberster Stufe. Die
eigentlichen und wichtigsten Volkssagen sind auch hier wie fast überall die Sagen,
welche in der Vergöttlichung der Natur gipfeln. Die vom Volksgeist ins Übermenschliche,
Göttliche (Dämonische) erhobenen Naturgewalten mit ihren guten und bösen Kräften
und Kräftewirkuugeu bilden den Hauptinhalt dieser Sagen, deren Gesammtheit sich
in alter Zeit dem Volke zum Götterglauben entwickelte. Die großen Naturgewalten, wie
Sonne, Blitz und Donner, Feuer und Wasser wurden als Hauptgottheiten auch bei den
deutschen Stämmen persönlich gemacht, die kleineren Kräfte in Flur und Wald, in Busch
und Weiher zu Geistern niedrigeren Ranges: zu feurigen Männern „Wassermännern,
Kobolden, Zwergen" bis zu den harmlosesten „Heinzel- oder Wichtelmännchen" herab. Der
fernere Fortschritt der menschlichen Culturgeschichte brachte hierzu noch die Gestalten des
immer höher sich entwickelnden Gesammtcnltnrkreises, die Sagen der christlichen Legende,
die Kirchen-, Klöster-, Ritter- uud Schloßsagen, dazu die romantisch-abergläubischen
Brücken-, Berg-, Bau-, Schatz- und Zaubersagen des Mittelalters und zu den Sagen von
den Alchymisten, Goldmachern, vom Stein der Weisen, Lebenselixier n. s. w. als höchste
und letzte Ausgestaltung auch des culturellen Zauberwesens und Zanberglanbens: die
Faust- und Mephistosagen, in welchen die zauberischen und teuflischen Kräfte ebenfalls
ins Höchstpersönliche zusammengefaßt und ins Übermenschliche erhoben werden.
Die landes- und volkscharakteristischen Sagen Deutschböhmens, die an dieser Stelle
hauptsächlich zu berücksichtigen sind, gliedern sich abermals in bestimmten, schärfer ausge-
prägten Sagengestalten und Gruppen sehr deutlich nach den verschiedenen natürlichen Haupt-
gebieten und Stämmen. Die einfachsten Sagengestalten, die jedoch durch die höhere geistige
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch