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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 566 -
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566 sie suchen dabei klugerweise solche Gegenden auf, wo sie bereits angesiedelte Landsleute finden, die dann für die erste Zeit Schutz und Halt bieten. Von Bedeutung, insbesondere für den nördlichen Theil des Böhmerwaldes, war früher der Handel mit Bettfedern. Massen dieser Federn neben den im Lande selbst gewonnenen wurden aus Ungarn, Mähren und Galizieu bezogen, im Böhmerwalde aufgelagert und von kleinen Händlern und Hansirern nach den deutschen Ländern, nach der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, sogar nach Schweden vertrieben. Diese Geschäftswanderungen brachten nicht nur pecuniäre Vortheile, sie hatten auch werthvolle Kenntniß des Anslandes zur Folge, und manches Hauswesen verdankte der Kenntniß des Auslandes eine bessere Führung der Geschäfte. In den Gegenden, wo der Federnhandel blühte, gewann auch die Volkssitte einen hübschen Brauch an Winterabenden durch das Federuschleißeu, bei welchem gesungen, Märchen erzählt und wie in Spinnstuben allerlei Ergötzlichkeiten getrieben wurden. Lassen große Herrschafts- besitzer berühmte Ökonomen kommen, um durch sie Verbesserungen im Landbau und in der Viehzucht einzuführen, so passen die Bauern wohl auf, bezahlen durch Sammlungen den fremden Rathgeber selbst für einige Zeit, um die Verbesserungen auch auf ihren Gründen einzuführen. Doch gilt dies nur auf dem Gebiete des nördlichen und mittleren Böhmer- waldes, wo der Bauer als freier und größerer Eigenthümer auch über reichlichere Mittel verfügt. Gelten diese Charaktereigenthümlichkeiten vom Volke des Böhmerwaldes überhaupt, so müssen doch zwei Volkstypen hervorgehoben werden, welche neben der heimischen Eigenart noch ihr besonderes Gepräge nach Leibes- und Geistesanlagen zeigen: die Bewohner des Städtchens Wallern und dessen Umgebung, sowie die Bewohner des Gebietes der soge- nannten Freibauern. — Die (klinischen, d. i. königlichen) Freibauern, das Gebiet zwischen Jnnergefild im Süden und Neuern im Norden bewohnend, stammen von deutschen Colonisten, welche als Beschützer der Grenze des Böhmerwaldes angesiedelt und mit vielen Rechten und Vorrechten ausgestattet wurden. Sie hatten auf ihrem Gebiete acht Frei- gerichte, wählten ihre Beisitzer selbst und ihr Oberrichter leitete alle sie betreffenden Rechtsangelegenheiten, wie das Steuer- und Conscriptionswesen. Aus dieser Colouie erwuchs ein stolzes Volk von Bauern, das in deutscher Treue am Hergebrachten festhält und ein festes Standesbewußtsein hochhält. Mit diesen „Königsbauern" haben die sogenannten „Wallinger", die Bewohner des an derStraße von Kuschwarda nach Prachatitz gelegenen Städtchens „Wallern" die ausgeprägte Charakterfestigkeit und den Hochsinn für Unabhängigkeit gemeiu. Auch diese Wackeren entstammen, wie man vermuthet, einer Colouie, und zwar einer Einwanderung von Schweizern; aber diese Annahme ist so wenig nach- zuweisen als die ganz nnstichhaltige Behauptung, daß die Wallinger einer — römischen Colonie entstammen, weil man unter ihnen sogenannte römische Köpfe mit schwarzem Haar,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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