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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 568 -
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568 glatt behauen, im Böhmerwalde zumeist nur grob geschrotet werden. Will man diese, eigentlich nicht specifische Böhmerwälder Eigenart der Bauten in originellen Gruppen beisammen sehen, so findet man bei Wanderungen durch deu Böhmerwald vielfache Gelegenheit dazu in Dörfern, zum Theil auch uoch in Märkten; am malerischesten aber findet man sie beisammen im Städtchen Wallern, wo trotz der von 1856 bis 1882 acht Mal wüthenden Brände eine ganze Ansammlung von Alpenhäusern übrig geblieben ist und den „oberen Ort" bildet. Von der Höhe oder von der Gisela-Anlage gesehen bietet dieser Stadttheil einen sehr pittoresken Anblick. Würde nicht die Feuergefährlichkeit dieser Blockhäuser und auch der abnehmende Vorrath von Bauholz Anlaß geben, von Nenbanten in diesem Stile uach und nach abzusehen, so würde man die Wendung sehr bedauern müssen, denn abgesehen von der malerischen Form der Blockhäuser halten diese im Sommer angenehm kühl und im Winter warm; hinsichtlich der Dauer bieten die flachen, steinbeschwerten Dächer den Vortheil, daß sie wenigstens viermal länger als die jetzt beliebten steilen Schindeldächer Stand halten. Im klinischen Freibauerngebiet stehen die Blockhäuser fast durchwegs vereinzelt da, auf Grund nnd Boden des Besitzers oder mitten in demselben und tragen auf den Dächern kleine Thürme, deren Glocken gar wichtige und vielseitige Dienste leisten. Sie läuten zum Morgen-, Mittag- und Abendgebet; sie rufen die Arbeiter von den ausgedehnten Feldern zum Mittagstisch heim; sie helfen bei Gewittern die Donner und Blitze brechen (lranA<zre); sie dienen in Sterbefüllen als Sterbeglocken uud verkündigen der Gegend weit und breit große Unglücksfälle, wie Brände, Hagelschläge u. dgl. Die Volkstracht im Böhmerwalde glich vor Jahren noch vielfach der Volks- tracht in den Hochländern Baierns, Tirols und Steiermarks. Die Mäuuer — insbesondere im nördlichen Theile des Böhmerwaldes — trugen schwarzlederne Kniehosen, die an der rechten Hüfte Schlitztaschen hatten für silberbeschlagene Eßbestecke, dazu wurden schwarze oder veilchenblaue Jacken aus Mauschett, Tuch oder Sammt, an besonderen Festtagen rothseidene Westen mit zwei Reihen silberner Knöpfe getragen und um den Hals ein leicht gefchluugeues rothes Seidentuch; die Strümpfe an Feiertagen waren weiß uud wurden unter den Knien von kurzen Lederbändern festgehalten. An Wochentagen trugen die Männer blaue Strümpfe, darüber Halbstiefelu mit Röhren, die bis an die Knie reichten, aber gewöhnlich faltig bis an die halbe Wade hinabfielen. Im Winter bei hohem Schnee oder wenn bei andauerndem Regen die Wege schwer gangbar geworden, kamen Stiefeln an die Reihe, deren weiche Röhren bis über die halben Oberschenkel hinaufreichten. Auch der Leibgurt mit großer Schnalle voran kam noch vor, um größere Summen Geldes in Silbermünzen mitzuführeu. Die Hüte waren etwas höher als in neuerer Zeit, geschweift und mit einem kleinen Busch Kunstblume» geschmückt; die handbreite
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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