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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 572 -
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572 Bei stark gefüllter Stube ist dann der Tanz eine förmliche Schlacht. Einer sucht den Andern aus Reihe und Glied zu schleudern. Mancher bleibt im Rundtanz voll seligen Über- muthes stehen und beginnt „af oan Eartl" zu drehen; die Nachtänzer schwellen hinter ihm an und sind gezwungen, um das schöne Solo nicht unbenutzt zu lassen, ebenfalls „af oan Eartl" anzufangen, so daß auf einmal in der ganzen Stube ein Heben und Senken sichtbar wird. Die Tänzerinnen schweben häufig über den Köpfen und die Scene gleicht einem Wasserwirbel, auf den ein heftiger Platzregen fällt und die stark aufschlagenden Wasser- tropfen über der drehenden Masse hüpfende Figürchen bilden. Vier so gespielte Ländler bilden eine Abtheilung, während welcher kein Bursch seine Tänzerin wechselt oder aufhört. Beim letzten Klang der Mnsik faßt jeder Bursch seine Tänzerin, führt sie nach der zweiten Stube (Kammer), wo die Tische von den meisten Trinkgästen besetzt sind, reicht ihr sein Glas zum Trinken und läßt sie dann laufen, wenn sie ihm gleichgiltig ist, oder setzt sie zu sich an einen Tisch, wenn sie so glücklich ist, seinem Herzen näher zu sein. In der Tanzstube aber gruppireu sich sanglustige Burschen um die Musikanten, schlingen sich gegenseitig die Arme um Hals und Schultern und singen volkstümliche Melodien, denen sie immer neue Texte unterlegen. Nach jedem abgesungenen Texte spielt ihnen die Musik die Melodie in der gleichen Tonart nach und die Bursche springen und jauchzen dazn oder schnalzen mit der Zunge nach dem Takt. Die Mädchen aber hängen sich zwei und zwei mitten in der Stube zusammen und tanzen nach den gesungenen oder gespielten Melodien. Verliebte Paare sitzeu meist schäkerud auf den Wandbänken herum. Beispiel solcher Liedertexte: Deanal gei hea zon Zau, Lauma dö rächt oschan, Wos Du für Augerl Host: Schwoarz oder brau? Als Autwort folgt: Augcrl mei is nöd schwoarz, Augerl mei is nöd braun, Augerl mei is o krod, Di onzuschaun! Gegen die Tanzlnst der übrigen Anwesenden darf der Gesang nicht sündigen und man endet ihn, nachdem alle Sänger die Mnsik bezahlt haben, mit folgendem Text: Spielleut spielts umatum, Doß i zu man Teandla kum, Sitzt af der Ofenbonk, D' Zät wiad ia long! Bei einbrechendem Abend wird es etwas leer in der Tanzstube; die Knechte gehen füttern, die Mägde melken. Bauernsöhne nnd Töchter sind von Arbeit frei und bleiben,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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