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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 574 -
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574 D a s Adam- und Evaspiel. Ein Grnndzng im Charakter des Volkes ist frommer gläubiger Sinn. Die Lehren der Religion wie die Geschichten und Personen der Bibel haften tief im Gemüth des Volkes und geben der Einbildnngskraft desselben Stoff und Anlaß zur Schaffung von Gebräuchen, die an die alten und von der Kirche so begünstigten Volksschauspiele erinnern; einer dieser Bräuche, dessen Eigenartigkeit in nachfolgendem „Adam- und Evafpiele" zur Anschauung kommt, sei hier vorgeführt in treuer Wiedergabe, da ich ihn, von frühester Jugend an, oft im Elternhause zu sehen Gelegenheit hatte — zum ersten Mal eines Morgens gegen Ostern hin bald nach der Morgensnppe. Der Vater saß am Ecktisch uud machte mit der Kreide seine Berechnungen auf der großen Eichenplatte; die Mutter begann neben der Kammerthür ihre Vorbereitungen für den Mittagstisch und ich (etwa fünf Jahre alt) war anf die Wandbank gestiegen, um nach dem Hofraum zu blicken und zu sehen, was dort Anziehendes vor sich gehe — fiel aber im nächsten Augenblicke vor Entsetzen fast von der Wandbank! Der leibhaftige „Gottseibeiuns" mit Hörnern, schwarzem Gesicht, rothen Augen, war in den Hof getreten und kam in Begleitung von zwei abenteuerlich costümirten Personen nach unserer Haus- thür. Ich flüchtete zur Mutter, die am kleinen Ecktisch sich eben anschickte, einen Teig zu kueteu, wickelte mich in ihre Schürze und rief, die Blicke angstvoll nach der Thüre gerichtet: „Da Tuisl!" Die Mutter legte mir beschwichtigend die Hand auf den Kopf und erkundigte sich nach der Ursache meines Schreckens, wurde aber alsbald durch die Ereiguisse selbst belehrt, um was es sich handle. Die Thüre ging auf und herein trat eine der erwähnten abenteuerlich gekleideten Gestalten; es war ein Mann in langem Hemd über dem Gewände, einen Ledergurt um die Lenden, schwarzen Zottelbart um Kinn und Wangen, er trug einen künstlich verfertigten Apfelbaum in der linken Hand; sogleich nach ihm trat die zweite Gestalt herein, ein Weib, das ebenfalls über dem Gewände Hemd und Gürtel trug, das Haupt aber mit einer Flachsperücke bedeckt hatte, deren Locken tief in den Nacken hinab- fielen. Meine Mutter neigte sich jetzt zu mir, drückte ihre flache Hand an meine Wange nnd sagte leise beschwichtigend: „Fürcht' dich nicht, es ist nur das Adam- uud Evaspiel!" Maun und Weib stellten sich neben der Thür auf, deu Apfelbaum zwischen sich. Nun begann der Erstere (Adam), indem er, singend wie im Recitativ, die Vorgeschichte des ersten Sündenfalls erzählte, eine an der Rückseite des Baumes augebrachte Kurbel zu drehen, die eine zwischen den Ästen hängende Schlange in Bewegung setzte; diese schoß giftige Blicke, fuhr hin und her und stieß nnermüdet mit dem Kopf gegen einen Apfel, als wolle sie sagen: „Der ist's, der wird dir's weisen!" Adam erinnerte an das Verbot des Herrn und warnte vor dem Genuß des Apfels, Eva aber war schwach genug, das Lob des schöueu Apfels zu singen und Adam zum Genuß desselben einzuladen. In einer Arie
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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