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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 575 -
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575 erzählt sie, wie sie morgens bei schönem Sonnenschein an den prangenden Apfelbaum gekommen; ein Wurm sei von dem Ast gehangen, der habe gar freundlich gegrüßt und gesagt: «Hast du die rothe Frucht da schon gekostet? Ei iß davon, du wirst nicht sterben, vielmehr ewig leben und soviel sein als Gott selber!" Das habe sie sich gemerkt und rathe uuu, von der Frucht zu essen! Adam macht noch Einwendungen — bricht aber dauu einen der Äpfel, genießt davon, lobt ihn über die Maßen — und gibt auch der Eva davou zu kosten; da ist er plötzlich einer Ohnmacht nahe, indem sich Alles vor seinen Augen ändert. „O nnglückseliger Tag," ruft er, „der Teufel hat uus ganz betrogen!" Bei diesen Worten flog die Thüre nach der Vorflur auf uud mit einem grimmigen Getöse schoß der Satan herein, verhöhnte die Unglücklichen, schwang ein rothangestrichenes Schwert und sang: „Nun sollt ihr zittern und erblassen. In deu Tod geh'n und das Paradies verlassen!" Adam nnd Eva knickten zusammen und stimmten ein Schlußklagelied an; es klang von arger Rene und zählte die Mühseligkeiten auf, unter denen sie fortan leben und ihr Brot erwerben müßten! Das Spiel war zu Ende. Adam, Eva und der Teufel, aus der Rolle fallend, sagten jetzt in gewöhnlichem Tone, demüthig: „Bitten schön anch um was!" Die Mutter machte eine Gabe znrecht, der Vater aber wendete sich vom Ecktisch nach der Thür und sagte: „Wo zu Haus, ihr Leut'?" Das erste Ehepaar uanute einen Ort der Oberpfalz. „Merk's, merk's," erwiderte der Vater, „sind wackere Leut', auch lutherische dort!" „Wir sind katholisch," versicherten Adam und Eva — und auch der Teufel — treuherzig bescheiden. — Der Vater lachte uud sagte zu letzterem: „Das ist dein Glück, so kannst du auch noch einmal durch den Schornstein zur ewigeu Seligkeit aufsahr'n!" Eiu Volksschauspiel (Höritzer Passionsspiel) im Böhmerwalde. Daß im Deutschen des Böhmerwaldes eine sinnige Anlage zu poetischem Auffassen und Formen des Lebens vorhanden ist, davon überzeugen uns Sitten und Gebräuche, Sagen und Märchen, besondere Ereignisse des Volkslebens; im „Adam- und Evaspiel" z. B. finden wir sogar die Versuchform dramatischer Gestaltung. Von dieser Versuchform im Kleinen bis zur großen Ansgestaltnng des menschlichen Sündenfalls und der Tragödie des Lebens Jesu in biblischen Bühnenbilder» hat uns im Sommer 1893 der deutsche Böhmerwald einen schönen uud markvollen Beweis geliefert: in dem Passionsspiele zu Höritz. Wie der Volksgeist an größeren Werken langsam, aber stetig bildet, so hat auch dieses Pafsioiis- spiel bereits ein historisches Alter, ohne bisher über die heimatliche Grenze hinaus bedeut- samer zu wirken. Erst in diesem Jahre (1893) ist das Passionsspiel, textlich umgestaltet nnd durch volle Theaterausstattung würdig zur Erscheinung gebracht, mit jenem Erfolg
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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