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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 577 -
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577 In den nördlichsten Bezirken behauptet die Wallfahrt nach dem „heiligen Berg" in Böhmen die vornehmste Stelle. Sie findet jährlich kurz vor den Pfingstfeiertagen statt und dauert drei Tage. Die Versprechungen zu dieser Wallfahrt erfolgen in bedrängnißvollen Lagen, bei Krankheiten, in Kindesnöthen geängstigter Frauen; die Formel lautet gewöhnlich: „Heiliges, rothgoldiges Herrgottsmutterl, hilf uns in unserer Noth! Mach' nns (Mann oder Kind) gesund, so wallfahrt' ich zu Dir nach Gottes Gebot!" Als Wallfahrtsgeschenke werden gewöhnlich heimgebracht: grellgemalte Heiligenbilder (Bilgla), bleierne gefärbte Heilige (Halän), Kelche, Monstranzen und sonstiges Altargeräth, Fingerringlein (natürlich Alles geweiht), und Jung und Alt halten die Dinge hoch in Ehren. Außer zur Mutter Gottes vom heiligen Berge hat man noch vielseitiges Vertrauen zn anderen wallfahrts- beliebten Gottesmuttern. Ein Beispiel davon gibt die Segensprechnng über ein Auge, in das ein Gegenstand gefallen ist. Erst wird das geschlossene Augenlid mit Speichel befeuchtet (in Eriunernng an das Verfahren Christi bei einer Augenheilung), dann die Spitze des rechten Zeigefingers leise auf dem Augenlid herumgeführt unter dem Segensspruch: „Liebe Frau vom Hohen Bogen,' Ist mir was ins Aug' geflogen; Liebe Frau in Passau's Thu' mir's gütig wieder heraus; Liebe Frau vom Heiligen Blut,2 Mach' du mir mein Aug' wieder gut!" Hexentusch, Gespensterbann, Pfingstwettrennen. Seltsam genug „uistelt" im Volksgemüth knapp neben der Frömmigkeit noch arger Aberglaube und macht sich zu gewissen Zeiten des Jahres bemerkbar, namentlich in den dem Pfingstsest unmittelbar vorhergehenden Tagen. Der „Hexentusch" und der Zauberbrauch am Abend vor dem Pfingstsonntag sind bezeichnend für diese Stimmung des Volksgemüths. Zum „Hexen- tusch" bewaffnen sich Männer, Burscheu und Knaben mit großen nnd kleinen Peitschen und knallen gegen Abend bis nach Eintritt der Dämmerung vor den Häusern, namentlich vor solchen, in welchen Weiber von üblem Rufe wohnen; dieses Knallen gleicht oft dem Krachen der Gewehre, es soll Ort und Umgebung von bösen Geistern reinigen. Das Innere der Häuser selbst wird vor Hexen und Gespenstern dadurch bewahrt, daß am Abend vor dem Pfingstsonntag vor den Hausthüren frischer Rasen unter Segenssprüchen gelegt wird. — Pfingsten, das Fest der Freude selbst, pflegt selten durch einen Brauch besonders gefeiert zu werden; nur der Pfingstmontag bringt in manche Gegenden das Wettrennen der Bauernbursche auf auserlesene» und für dieses Fest besonders gepflegten Pferden. Wochenlang dauern die Vorbereitungen zu diesem Fest; die Pflege der Pferde, ! Bergwand in Baiern. ' Klattau. Pöhmen. 37
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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