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einer Inschrift, die Namen, Alter und Sterbetag enthält, ist die einfachste Ausstattung
der bemalten Bretter. Vornehmer sieht sich schon ein Todtenbret an mit gemalten Figuren,
darstellend eine ganze Familie, die nach der Größe der Gestalten geordnet in einer Reihe
kniet, die Hände faltet und zum Himmel blickt. Ganz oben sind zwei gekreuzte Kuocheu
gemalt, dann folgt das Bild und darunter steht zum Beispiel die Inschrift:
Wolfgang Rißvogel
unser seliger Vater,
geboren den.. . , gestorben den... ,
ruhte ans diesem Bret die ersten Stunden
seines ewigen Schlafes und wurde dann,
schmerzlich beweint, zu Grabe getragen. Betet
alle für ihn, die Ihr das leset.
Der Herr hat ihn aufgenommen.
Von dort wird er wiederkommen!
Auch fehlt es an Todtenbrettern nicht, auf denen unter der Inschrift ein hellloderndes
Feuer brennt, in welchem nackte arme Seelen stehen und jammernd die Arme gegen
Himmel strecken. Es heißt darunter:
Der Beste noch ist schuldig solcher Leiden,
Bevor er eingeht in des Himmels Freuden.
Ein blasender Engel kündigt auf einem Todtenbret die Auferstehung au und
darunter heißt es:
O Menschen, ans aus ener'u Todesgrüften,
Erhebet euch aus tiefer Erdennacht,
Der Gottessohn erscheint in hohen Lüften,
Er kommt in Herrlichkeit und Macht
Zu richten die Lebendigen und Todten,
Voran ihm schweben Engelsboten.
Seid froh, sein Herz ist göttlich mild,
Vergebung kündigt er aus seinem Schild,
Und hinter jedem seiner Fürstentritte
Folgt Gnade, Liebe, Glück und Himmelssitte!
Die besseren, besonders bemalten Todtenbretter werden an auffallenderen Stätten
aufgestellt: in der Nähe des Hauses eines Verewigten, an einer Schenerecke, am Garten-
zaun, wo dann die Stelle überdacht und vor Regen geschützt ist. Am beliebtesten sind die
Stellen neben aufgerichteten Kreuzen oder Feldkapellen, die an öffentlichen Wegen,
besonders vielbesuchten Kreuzwegen angebracht sind.
Sagen und Aberglauben. Daß ein so großes Berg- und Hügelland wie der
Böhmerwald mit seinen Schlössern, Bnrgen, Rinnen, Seen, Fels- und Waldesgründen
dem so gerne fabulireudeu Volke Anlaß gab nud noch gibt zu Sagenbildungen aller Art,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch