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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 598 -
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598 ergriff, um zu untersuchen, die Zange, hob den Klumpen heraus und begann daran zu hämmern, und siehe da! der Klumpen streckte sich plötzlich nach der Lauge uud Breite und die Gestalt des gekreuzigten Heilands wurde darin sichtbar. Der Meister, erstaunt und gerührt, hämmerte nnr noch so lange, bis die Erlösergestalt ganz und vollkommen zur Erscheinung gebracht war, dann senkte er die Knie, küßte das Wunderbild und bewahrte es in seinem Hause auf. Als er starb, wurde das Kleinod an die Nachkommen vererbt, ging dann noch durch viele Familienhände, bis es endlich (1696) von der letzten Besitzerin, Namens Rinkin, dem damaligen Rathe Langer mit der Bitte übergeben wurde, das Crucifix in einer Kirche znr allgemeinen Verehrung anzubringen. Ein frommer Geistlicher sorgte, daß das Wnnderkrenz auf einer Höhe, vormals Calvarienberg genannt, aufgerichtet wurde. Um ihm Schutz gegen das Unwetter zu gewähren, ward 1714 eine Kapelle darüber gebaut und neben der Kapelle ließ Veronika Jimin drei Stationen, der Herzog von Krumau aber einen Kreuzgang mit neun Stationen aufführen. Das Alles ist geschehen auf dem „Kreuzberg". Der fromme Sinn lohnte sich; die viel von Frost, Hagel und Schauer heimgesuchte Gegend wurde lange Jahre von diesen Übeln wunderbar verschont. Der Mönch zu Hohenfnrt . Nördlich von Krumau, das uns eben eine Sage tiefer unbeugsamer Gläubigkeit geliefert hat, trifft der Wanderer auf eine Stätte klösterlichen Friedens, die, wie man vermuthen sollte, weit mehr Anlaß bieten würde, Siegesthaten und Wunder des Glaubens durch den Mund des Volkes aller Welt zu verkündigen. Es ist das Kloster Hoheufurt, Heim der Eistercienser, durch seine Mauern, heilige Räume, Lehre und Beispiel geschützt gegen Zweifel und Glanbensgefahren, wie durch seine Basteien und Thürme einst sicher gegen Kriegerscharen. Und doch begegnen wir gerade hier einer Sage von geistlicher Verirruug, die im Heim des Gottesfriedens und Glaubens seinen Ursprung fand und mit einem oft wiederkehrenden Sagenwunder abgeschlossen wnrde. Ein Mönch des Klosters, so heißt es, gab sich tiefen, unablässigen Forschungen über die Räthsel der Welt und des Lebens hin nnd kam nach vielen Irr- und Umwegen an einem Punkte an, wo der nächtliche Abgrund des Unglaubens vor seinen Füßen gähnte; er zweifelte an vielen Glaubenslehren — unter anderm auch an dem Glauben an die Ewigkeit. Oft schon hatte ihn das Studium und die Betrachtung der Natur eines Besseren belehrt und er ging auch eines Tages wieder hinaus in die wundersame Waldesstille — diesmal besonders gierig, einem Vogelliede zu lauschen. Und. er hatte nicht weit zu wandern nnd nicht lange zu lauschen. Denn nicht nur von Einem Vöglein erscholl gar herziger Gesang, es ließen theils nach einander, theils in heiterem Chore der Fink, der Hänfling, die Drossel sich aus den Zweigen hören, im nahen Kornfeld schlug die Wachtel und über allen hoch in den Lüften wirbelten die Triller der Lerchen. Jeder Ton erklang wie ein Lob des Herrn, der Alles so wohl, so schön für jetzt uud alle Zeiten erschaffen. Und tief erfaßte es auch das
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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