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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 599 -
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599 Gemüth des Mönches, der dasaß und sann und sann — und sich endlich erhob, um heim- zukehren iu seine Zelle: gestärkt, getröstet und wieder Herr über quälende Zweifel; — aber im Kloster fand er Alles verändert; er selbst war ein Anderer geworden nach innen und außen, es erkannte Niemand den müden Greis und verstand Niemand sogar seine Sprache; denn er war, während er den Vöglein lauschte — um ein ganzes Jahr- hundert älter geworden. Die Luzifer-Sage vom Bergschloß Kleuau. Alte Burgen und Ruinen sind es uameutlich, die das Volk mit unheimlichen Sagen bevölkert. Teufel, Gespenster nnd Schätze, die vonHöllenhnnden bewacht werden, lassen sich für furchtsame und abergläubische Gemüther — und wo gäbe es solche nicht? — wirksam verwerthen. Wir sehen dies auch im Böhmerwalde und sind genöthigt, von dieser Abart wenigstens in zwei Fällen Kenntniß zn nehmen: von der Luzifer-Sage im Bergschloß Kleuau und von dem großen Schatze in der benachbarten Burgruine Baiereck. Die Luzifer-Sage knüpft sehr sachgemäß an das schauererregende Burgverließ der Ruine Klenan an, in welches, sieben Klafter tief, einst die Opfer des ergrimmten Burgherrn hinabgelassen und dem Hungertode preisgegeben wurden. Uuter den Burgherren, die gar oft und maßlos ergrimmten, wird ein Herr Pribik besonders genannt; die Sage bezeichnet ihn als Denjenigen, der dem Rachen des Burgverließes die meisten der unschuldigen Opfer geliefert habe. Zu solche» Opseru waren einst auch drei nachbarliche Ritter ausersehen, die der grimme Herr von Klenan nach einer wilden Fehde als Gefangene in seine Gewalt bekam. Fallthüre auf; au Stricken einer nach dem andern in die finstere, dumpfe Tiefe hinabgelassen — Fallthüre wieder zu uud unten waren sie wirklich, die jungen Ritter, noch dazu Brüder. Die ersteu Eindrücke des Entsetzens beraubten die Unglücklichen der Sprache; stumm lagen sie nebeneinander, wenn man nicht dann und wann einen Seufzer, der Steine erweichen konnte, für die Sprache der Verzweiflung hinnehmen will; endlich fanden die Gefangenen auch die Sprache wieder, die iu wilde Klagen, in Gebete und Hilferufe ausbrach. Vergeblich. Menschliche Hilfe war unmöglich, die Hilfe des Himmels wenigstens noch nicht nahe; da faßten die verzweifelnden Brüder den Entschluß, sich in die Arme des bösen Feindes zu werfe» und dnrch ihn sich befreien zu lassen. Satanas war — natürlich gegen ausgiebige Provision — sogleich bereit zn Helsen. Ein leichter Donnerschlag und der Unterirdische mit Hörnern, Fenerangen und langem Schweif stand vor ihnen. „Wenn Einer von Euch sich für die auderu Zwei opfern uud mir in die Hölle folgen wollte", sagte er, sich räuspernd und einige glühende Kohlen ausspuckend, „so würde ich Euch wohl befreien!" Die Brüder stutzten anfangs, aber der Schreckeusort, der Hunger, besonders der baldige unabwendbare Tod machten sie mürbe, so daß sie den Vertrag annahmen und auch sogleich zn losen begannen, wer von ihnen als Preis in den Klanen des Satans zurückbleiben sollte. Das Los fiel auf den
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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