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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 602 -
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602 daran kehrten; wollte man ihnen aber näher kommen, so erhoben sie ein Geschrei, rafften tnmultnarisch ihre Fetzen und Windeln zusammen, rauschteil unter das Wasser uud ver- schwanden. Ein Banernbnrsch, sonst ein findiger Vogel- uud Taubenfänger, richtete einmal auch eine Falle im Gesträuch am Bach auf — und wirklich ging ihm ein Waschweiberl in die Falle. Es hatte ein weißes reinliches Leinwandkleidchen an, das bis an die halbe Wade reichte und die Haare hingen aufgelöst über Schultern und Nacken hinab. Ohne Sträuben ließ sich das Weibchen nach dem nächsten Bauernhof tragen und sah sich da frisch mit schwarzen Äuglein um. Kaum in die Stube gebracht, streifte das Weiberl die Hemd ärmelcheu zurück, schürzte das Kleidchen auf und begann zum Verwundern uud Ergötzeu der Hansbewohner geschäftig aufzuräumen, Geschirr zu waschen, auf die Wandbänke steigend die Fenster zu reinigen, kurz, es war ruhelos vom Morgen bis Abend, ohne sich im geringsten was schaffen oder dreinreden zu lassen. Während der Abenddämmerung kam dann das Wassermännlein, klammerte sich draußeu an die Wand und sprach zum Fenster hinein, das Waschweiberl klammerte sich von innen an die Wand uud sprach hinaus, und da thaten sie vertraulich uud er trug ihr auf, nichts von ihren Geheimnissen auszuplaudern. Als der Winter nahte, dachten die Hanslente daran, das Waschweiberl mit Schuhen zu verseheu, aber es reichte die Füßchen nicht dar, um ein Maß nehmen zu lassen; man streute daher Mehl auf den Boden der Stube uud uahm das Maß uach den Fußstapfen des Weibchens. Die Schuhe waren fertig und man stellte sie dem Weibchen ans die Bank, damit es sich derselben bediene. Aber das Waschweiberl fing an zu weinen uud zu schluchze», weil man seine Bemühungen belohnen wolle, streifte die Hemdärmelchen wieder vor, entschürzte das Kleidchen und stürzte lantklagend davon uud wurde nicht wieder gesehen. Aberglauben. Wenn drei Tage uud Nächte hintereinander ein Sturmwind bläst, muß sich Jemand in der Gegend erhenkt haben. — Das Krähen einer Henne weckt das größte Unglück eines Hauses, daher einer solchen sogleich der Kopf abgehackt wird. — Man glaubt an einen „Stearvogel" (Sterbevogel); er soll stets während der Abenddämmerung vor dein Hanse eines schwer Erkrankten erscheinen und durch einige Trauertöue den bevor- stehenden Tod des Erkrankten ankündigen. — Bisweilen hört man nachts ein gedämpftes ergreifendes Weinen im Hause; die entsetzte« Einwohner horchen anf nnd glauben fest, es sei ein verstorbenes Familienmitglied, das ein Unglück klagend ankündigt. Man nennt es „Das Klagmütterl" ('s Klomuaderl geiht um). — Weuu eine Elster lebhaft um eiu Haus fliegt uud ruft, bedeutet es die Meldung, daß ein Bekannter oder Verwandter bald heimkehren werde. — Wer auf seinem Felde zwischen dem Getreide einen Bifang brach liegen läßt oder mit Klee bebaut, verliert in demselben Jahre noch ein Familienmitglied durch deu Tod. Man neunt den Fall ,,D' Jutasot" (Zwischeusaat). — Ein gewisser Zauber, ausgeübt über
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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