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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 603 -
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603 ein Saatfeld, bewirkt in der Gestalt eines liegenden Kreuzes zwei schmale Bahnen im Getreide, wo die Ähren durchaus brandig erscheinen. Man weiß dann im voraus, daß beim Dreschen des Getreides je das dritte Korn in die Scheuer desjenigen fliegen muß, der den Zauber ausgeübt hat. Mau ueuut den Geist, der dabei dient, den „Pilmasschuidt". — Wenn ein Bursch oder Mädchen am Ostersonntag vor Sonnenaufgang aus einem Bache mit den Zähnen ein Steinchen heraufholt und es dann, gegen Osten gekehrt, über den Kopf wirft, dem wird geoffenbart, ob es im Jahre noch zu seiner Heirat kommen werde. — Am Ostermontag flicht man um die Obstbäume Strohbänder in der Meinung, sie dadurch zum reichen Frnchterträgniß zu vermögen; denn wie man an Namenstagen durch das „Drosseln" (Umspannen des Halses) den Nameusträger zum Gewähren eines Geschenkes verpflichtet, so will man gläubig auch die Bäume durch das Drosseln mit Strohbändern zu reichlichen Gaben verpflichten. — In einigen Gegenden des Böhmer- waldes wird kein Baum gefällt, ohne daß früher ein Kreuz iu die Rinde gehauen wurde: auf solchen Bäumen muß die wilde Jagd, welche Wanderer, die bei ihrem Herannahen uicht auf das Angesicht stürzen, weit mit sich fortführt, rasten und sie unbehelligt lassen. — Vor Jahren soll eiu Mann gelebt haben, vor dessen Augen Hexen und Verwunschene bezeichnet waren. Jene trugen auf den Köpfen hölzerne Milchgefäße, diese schleppten an Ketten glühende Kugelu an den Fersen nach. Deshalb war der Mann aber vielen Anfechtungen ausgesetzt uud sein Weg nach der Kirche, die auf eiuer Anhöhe stand, war ein Weg der Peinigung nnd Püffe, so daß der Unglückliche oft rücklings die Anhöhe ersteigen mußte, nm die nachstürmende Hexenzunft durch Kreuzeszeichen und Gebete abzuwehren. — Die Zuugeufäule bei Kiuderu wird durch ein Sympathiestück geheilt. Der Manu, welcher des Heiltextes kundig ist, läßt sich das Kiud gegenüber halten, indem er spricht: Job ging einst über Land Und hatte einen Stab in der Hand; Da begegnet' ihm der Herr Und sprach: „Job, warum trauerst Du so sehr?" Job sprach: „Ach, warum sollt' ich nicht trauern? Meine Zunge will mir abfaulen." Der Herr sprach: «Job, geh' in jenes Thal zur Stund', Ein Bruuueu heilet Dir dort den Mund!" Der Mann haucht dem Kinde dreimal in den Mund, schlägt eiu Kreuz darüber uud die Mutter des Kindes besprengt dieses mit Tropfen des Weihbrunns au der Thür. Diese Ceremonie, dreimal früh und abeuds wiederholt, soll gewisse Heilung verbürgen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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