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Alt-Ohlisch aus d (wenn es zwischen zwei Selbstlauten steht) herausgebildet: niera, Klera,
Lara — nieder, Kleider, Leder. Rosendorf und Umgebung sprechen sehr oft u für a: suat
(—sagte), wna (war), pna (paar); Schönlinde wieder ö für i: Bold, wöld n. f. w. Häufig
und in mehreren Mundarten findet sich auch Ausfall des inlautenden r: Pfad (Pferd) n. a.
Der dritte Strich dieses obersächsischen Gebietes, der von Lobositz über Böhmisch'
Leipa und Zwickau nach Rumburg hinauf, östlich bis nahe an den Jeschken reicht, hat fast
regelmäßig e' (ej) für altes ei und bietet von der Linie Zwickau-Hirschberg an auch schon
den sonst im Obersächsischen nicht vorkommenden Laut a' für gedehntes a — schrift-
deutsches e — altem e: ra'cht, schla'cht u. a. — ich fasse daher den ganzen Strich als Zone
der ins Schlesische überführenden Mundarten, Die Volkssprache des westlichen Theiles
kann eine Probe aus Böhmisch-Leipa vertreten:
„Wenn d'r Mensch zusriedu is,
Schmeckt 'n vh d'r Essigh süß.
Is sei' Harze sundine'ne,
Sei die Stube nou su kle'ne
Und sei' Röckl nou su alt,
Nou su falsch die diese Walt —
Sieht ar ruhig nns zum Himml."
Die Verschiedenheit der Sprache des östlichen Theiles mag eine Probe aus der
Zwickauer Gegend darthuu:
„Ongn Host de wie Blonvalkn,
Wie su viel au'n Gartl stiehn,
Odr die uej thun v'rwalkn,
Ehnder ömmr schiener bliehn. Guckst du, Madl, möt dann Ougu
Eu'u su ra cht eis Harze nei,
Tann wöll nischt mieh sustern tougu,
Möt d'r Ruhe ös 's vorbei."
Nicht gerade sehr verschieden vom Obersächsischen ist das Schlesische. Ein größerer
Reichthum an Diphthongen, eine öfters andere Verwendung derselben für die Laute des
Hochdeutschen gegenüber jenem scheinen noch die greifbarsten Unterschiede zn sein. Das
Schlesische zeigt „eine gemüthliche Breite neben nicht engem Verstände", durch die
vorgeschrittene Abschleisnug der Worte „ein bequemes Sichgehenlassen" uud doch wieder
einen hastenden, ruhelosen, fleißigen Geist. Auf den zwei äußersten Flügeln dieses vom
Jeschkenberg bis gegen Jglan reichenden, aber ziemlich schmalleibigen Sprachgebietes
herrschen wieder Übergangsmundarten. Die des Jeschken- und Jsergebirges schließt noch
obersächsische Elemente aus ihrer westlichen Nachbarschaft in sich und der nach Böhmen
fallende Theil der Jglauer Sprachinsel hat bereits merkbare Aukläuge an den südlichen
Nachbar, das Baierisch - Österreichische. Was zwischen diesen beiden Endstrichen wohnt,
spricht (von zwei bis drei örtlichen Mundarten abgesehen) den reinen schleichen Dialeet,
Böhmen. 39
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch