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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 214 -
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214 Säulenbündel mit gut behandeltem Laubwerk angeordnet sind. Derselbe wurde von den Johannitern, denen Bavor von Strakonitz 1243 die Strakonitzer Burg mit der damals schon bestehenden Prokopskirche zur Errichtung einer Commende geschenkt hatte, nebst dem Langhause der genannten Kirche um die Mitte oder in der zweiten Hälfte des XIII. Jahr- hunderts errichtet. Die uns hier begegnende Schlichtheit wurde auch in den wenigen als frühgothisch erweisbaren Überresten der Prager Marienkirche festgehalten, welche 1253 mit Wall, Graben und Vorwerken befestigt wurde. Bei Prämonstrateuserbauten gewann die Frühgothik in dem zwischen 1230 und 1250 ausgeführten Chore der Stiftskirche zu M ü h l Hausen (Milevsko) und in dem unter den Äbten Hermann und Ambrosius betriebenen Umbau der Kirche des Klosters See lau (Zelivo) nachweisbaren Einfluß, dessen Umfang für die Restauration des Stiftes S t r ahov nach dem Brande vom 19. October 1258 oder für die Instandsetzung von Tepl, Chotieschau und Doksan nach den unruhigen Tagen von 1278 nicht mehr genau abgegrenzt werden kann. Von den frühgothischen Klosteranlagen der P rager Kreuzherren, sowie der am Zderas ange- siedelten Kreuzbrüder des heiligen Grabes, deren in großartigem Maßstabe betriebenen Chorbau Bischof Johann III. 1276 weihte, hat sich nichts mehr erhalten. Mit ihrer Aus- führung, sowie mit der Herstellung der gerade unter den letzten Premysliden in allen Theilen des Landes rasch erblühenden Bettelmönchsniederlassungen, deren Spuren zumeist der Sturmeshauch der husitischen Bewegung vom Erdboden vertilgte, bot sich dem frühgothischen Gedanken ein ungemein weites und fruchtbares Feld der Bethätigung. Letzteres war auch in den mächtig emporblühenden Städten der Fall, in welchen seit Premysl Ottokar II. das deutsche Bevölkerungselement, das geistliche und weltliche Herren zur Kolonisation herbeizogen, vorherrschte und außerordentlich erstarkte. Denn mit der Anlage und Befestigung der Stadt, die nach gewissen gemeinsamen Grundsätzen ausgeführt wurden uud für welche die Mauerwerke des schon vor 1261 nach Magdeburger Recht lebenden Kolin als Muster galten, ging auch die Ausführung eines gemeinsamen Gottes- hauses, für dessen reiche Ausstattung wohlhabende Bürger fromme Gaben beisteuerten, Hand in Hand. Mehr als in der dreifchiffigen Hallenanlage des gut erhaltenen Koliner Langhauses, in welchem romanische Stilgedanken mit gothischen ringen und den durch Jahrhunderte beherrschten Boden mit Energie zu behaupten suchen, gelangt die Frühgothik in der drei- fchiffigen Decanalkirche zu Pifek, obzwar dieselbe das gebundene romanische System der Wölbung festhält, zur Herrschaft. Der stumpfe Spitzbogen kommt in den Schiffsarkaden, in der Führung der Wölbung, in den schmalen Chor- und Langhausfenstern, sowie im Haupt- portal durchaus zur Geltung, während die Basis- und Capitälsbehandlnng der Säulen am nördlichen Seiteuschisfsportal zu den Formen der abschließenden Übergangszeit hinneigen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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