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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 220 -
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220 einschiffige blieben für gewöhnliche Landkirchen die Regel. Bei letzteren hielt man offenbar in einzelnen Gegenden länger am geradlinigen Chorschlnfse fest, der jedoch schon stark hinter dem fast ausschließlich zur Herrschaft kommenden polygonalen zurücktrat. Die Eintheilung des Kirchen-Innern und die Gewölbe-Anordnung wurden durch die an die Außen- wände antretenden Strebepfeiler ersichtlich, welche bei der Änderung des constructiven Gedankens vor Allem eine statische Function zu erfüllen hatten, derb und massig gebildet, im Pultdache abgetreppt und manchmal mit Fialenaufsätzen des obersten Giebels geziert wurden. Die Fa^ade größerer Bauten zierte ein über dem spitzbogigen Haupteingang angeordnetes Rund- oder mehrtheiliges Maßwerkfenster. Die Portale blieben bei wirkungs- voller Gliederung der Leibungen zumeist ohne besonderen Schmuck. Eine vorn recht- winkelig abgeschnittene Schräge mit darunter tief einschneidender Kehle bürgerte sich für bestimmte Gesimsarten ein. Ordnete man zwei- oder mehrfeldrige Spitzbogenfenster an, so besetzte man Pfosten und Wandungen mit oft zierlichen Säulchen und wählte als Maß- werk nur Drei- und Vierpässe, während die Rundfenster wie in Goldenkron und Hohen- fnrt sehr geschmackvoll durchgebildetes und fein componirtes Stabwerk erhielten. Die Wölbung spannte sich nunmehr seltener über qnadratem, sondern überwiegend über oblongem Grundriß, womit die constrnctive Verwendung des Spitzbogens sich festigte, der in Arkadenbogen, Fensterbildnng und Portalen allmälig zur ausschließlichen Herrschaft kam. Im Presbyterium wurden mit Vorliebe Wandsäulen, seltener bloße Consolen als Wölbungsträger angeordnet, während man letztere in den Seitenschiffen sogar offenbar bevorzugte. Säulenbündel fanden höchstens in Kapitelsälen, Kreuzgängen und Burg- kapellen Verwendung. Die Schiffspfeiler entbehrten meist einer reicheren Gliederung. Das Streben nach birnförmiger Profilirnng der Rippen verdrängte gegen das Ende des XIII. Jahrhunderts immer stärker die romauifirenden Nachklänge der Übergangs- bildungen. Der Nachdruck, welchen einige chronikalische Nachrichten auf die Fertigstellung der Wölbung bestimmter unter Wenzel I. ausgeführter Werke legen, scheint darauf hinzudeuten, daß in dieser Zeit eine neue Phase der Wölbungstechnik, die ja mit dem Vordringen der Gothik sich gewissermaßen von selbst ergab, in Böhmen eingetreten war und die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihre Werke lenkte, deren Vollendungszeit den Geschichtschreibern aufzeichnungswerth däuchte. Die dekorativen Details erhielten einen stets reicher werdenden Schmuck, der in den Knospen oder kelchsörmigen Lanbcapitälen meist bei der Wiedergabe heimischer, nicht überladener Laubwerkmotive blieb, hier und da aber auch ikonische Bildungen zuließ. Beide Arten fanden auch für die manchmal reicher behandelten Schlußsteine und die eonsolenartigen Wölbungsträger, deren Capitäl und Zapfen anfangs geschieden blieben, später aber zusammengezogen wurden, entsprechende Verwendung.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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