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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 223 -
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223 der Versetzstelle mit dem Hammer zugerichtet wird, also nicht schon in einem für ein bestimmtes Gesiige genau berechneten Zustand auf das Gerüst kam, deutet darauf hin, daß der Buchmaler einen nach dem Brauche der Zeit vorwiegend aus Bruchsteinen auf- zuführenden Bau im Auge hatte, worauf auch die unregelmäßigen Formen der Steine hin- weisen, welche den durch Gottes unmittelbares Eingreifen beim Baue gehinderten Arbeitern entfallen; doch war die Lagerung der Schichten schon eine ziemlich regelmäßige, an den reinen Quaderbau erinnernde. Die Ausführung hatte offenbar noch mit manchen Schwierig- keiten zu kämpfen und entbehrte manchmal der wünschenswerthen Genauigkeit und Solidität. Denn der Zusammensturz der Wölbungen im Prager Domkapitelhaus, des Mittelschiffes von Kirchen, der dnrch Sturm und Regengüsse mitgenommenen Privatbauten und der nur wenige Jahrzehnte stehenden Prager Befestigungsthürme trat angesichts der Thatsache, daß andere gleichzeitige, von denselben Elementarereignissen betroffene Bauten diese kritischen Zeiten ungefährdet überstanden, offenbar infolge gewisser Construetionsmängel und flüchtiger Ausführung ein, die man mit der fortschreitenden Erkenntniß aller Erforder- nisse der neuen Bauweise langsam ablegte. Bei wichtigeren Bauten ließ mau auch die Herstellung einer dauerhaften, widerstandsfähigen Dachnng nicht außeracht und sorgte, wie dies Bischof Johann III. 1276 beim Prager Dom that, für eine solche an Stelle der alten schadhaften oder feuergefährlichen. Die schmalen Spitzbogenfenster gewöhnlicher Bauten, welche stark abgeschrägte Leibungen und oft steil abfallende Sohlbänke haben, waren wahrscheinlich, wie dies hente noch bei kleinen Landkirchen, Kapellen und Sacristei- ränmen sich nachweisen läßt, nicht durchaus verglast. Nach Aualogie der feierlichen Weihe des vollendeten kirchlichen Baues beging man zweifellos auch die Fertigstellung eines Profanwerkes oder wichtiger Theile desselben wie in späterer Zeit schon im XIII. Jahr- hundert mit einer kleinen Festlichkeit, an welcher natürlich auch die Arbeiter ihreu Antheil hatten. Während die Gothik in Böhmen ihren Einzug hielt und an alle größeren nud wichtigeren Bauunternehmungen sich herandrängte, trat auch eine wichtige Änderung hinsichtlich der Künstler und der von ihnen beschäftigten Arbeiter ein. Wie in anderen Länder», so hatte auch in Böhmen seit der Einführung des Christenthums und mit der Verbreitung der geistlichen Orden die Geistlichkeit lange Zeit hindurch nicht nur eine kunstfördernde, sondern auch eine kunstübende Stellung eingenommen. Denn da die Erfordernisse für die Ausübung des neuen Cultus und zweckentsprechende Vorkehrungen für die Befriedigung aller Bedürfnisse eines Ordenshauses den Laien des Landes unbekannt waren, so mußte hier länger andauernd nicht nur die Belehrung und Anleitung dnrch das Wort, sondern auch die praktische Anleitung durch die That von Seite der neueu Culturträger platzgreifen. Je mehr die also vermittelte Anregung durch die bei der
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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