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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 252 -
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252 Sechzehnecks eingestellt wurde, womit ein Pfeiler in die Mittellinie der Kirche tritt und je vier Kapellen rechts und links von demselben angeordnet erscheinen. Letztere sind wie die Koliner Kapellen durch mächtige dreieckige Mauerpfeiler geschieden, die breite Blind selber nach anßen kehren. Ebenso deckt sich die Verschiedenheit in der Wahl des Chorschlnß- nnd des Kapellenkranzpolygons in Kuttenberg und Kolin, indeß die Übereinstimmung in den Maßwerkbildungen, in den Profilen der Fenster, der Schiffs- und Wandpfeiler fast für die Benützung der gleichen Schablonen bei beiden Bauten zn sprechen scheint. Das durchbrochene Trisorium, welches unter den über die ganze Wandbreite ausgedehnten mächtigen Oberlichtern angeordnet ist, und der reiche Strebe-Apparat verweisen anf das Analogon des Prager Doms, dessen genialer zweiter Baumeister hier sein überwältigendes Ideal eines großen Kirchenbaues verwirkliche» zu können glanbte. Allein nur die Chor- anlage, die Anordnung nnd wahrscheinlich theilweise auch die Ausführung des Kapellen- kranzes dürfen Peter Parler zugeschrieben werden, dessen Plan bis zum Ausbruch der Husitenkriege eingehalten wurde, dcuu der Bau schritt nur langsam vorwärts, da zu dem zuletztgenannten Zeitpunkt der Chor noch ohne Hauptwölbung stand. Die Weiterführung des über den Kriegsunruhen ganz ins Stocken gekommenen Werkes blieb der für Böhmens Kunstleben nicht unwichtigen Regierungszeit Wladislaws II. vorbehalten, so daß an der Kutteuberger Barbarakirche zwei verschiedene Richtungen der Gothik in Böhmen zum Worte gelangten. Dieser herrliche Bau ist das letzte Werk, welches dem Meister, der schou den Höhe- punkt seines Schaffens erreicht hatte, übertragen wurde. Hier zeigte er auf dem Boden desselben Gedankens, welche Fortschritte er seit der Übernahme des Koliner Chorbaues gemacht hatte, wie seine Anschauungen reifer und abgeschlossener geworden waren. Seine Werke lassen Peter Parler als eine scharf nmriffene Künstlerindividualität erkennen. Als Baumeister bevorzugte er gewissermaßen unter dem Einfluß der in Köln und Gmünd genossenen Ausbildung die den Gmünder Meistern offenbar sehr zusagende Anlage mit Chornmgang und Kapellenkranz, wobei er die vielleicht aus württemberg'scheu Mustern erwachsene Neigung, einen Pfeiler der Choranlage ins Kirchenmittel zu stellen, mit einer gewissen charakteristisch werdenden Vorliebe hervorkehrte. Schlanke Verhältnisse des Auf- baues, Kühnheit der Coustruetion, starke Gliederung der Rippen und Pfeiler, das Streben nach Vermittlung reicher Lichtfülle durch mächtige Maßwerkfenster und Anordnung eines Triforinms traten überall zu Tage. Eiu reiches Strebesystem brachte Bewegung und Abwechslung in den Außenbau, dessen dünne Fialen, hohes Hauptgesims und Gallerie gleich den Fischblasen des Maßwerkes das Eindringen der Spätgothik ankünden. Die bei den Portalbildungen des Doms nnd der Teynkirche auftretende Verwendung des Rund- bogens bereicherte den damaligen Formencanon nm ein Motiv, welches gleichzeitig nirgends
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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