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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 253 -
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253 wieder mit solcher Entschiedenheit betont und geschickt mit den anderen in einen ansprechen- den, geschmackvollen Einklang gebracht ist. Für die Hauptportale liebte der Meister reichen plastischen Schmuck, indeß er die minder wichtigen nur mit Stabwerk und Hohlkehlen belebte. Die Anschauungen des Architekten stände» oft unter jenen des Bildhauers, welcher au dem Anfban und der Ausstattung seiner Bauten reiches plastisches Beiwerk anzuordnen pflegte; so griff Peter Parler nicht nnr auf dem Gebiete der Architektur, sondern auch der Plastik fördernd und maßgebend ein. Wenn auch das Fortleben seiner Richtung nach seinem Tode außer Zweifel steht, so ist es doch nicht möglich, ganz genau die Abhäugigkeit der künstlerischen Ideen bestimmter Individuen von ihm zu begrenzen und zum Beispiel zuverlässig festzustellen, inwieweit sein Sohn Johann in den Fußstapfen des Vaters wandelte und im Weiterban des Doms daneben auch eiuer selbständige« Richtung Ausdruck verlieh. Die am Ende des XIV. und zu Beginn des XV. Jahrhunderts iu Böhmen uud bei verschiedenen Bauten Deutschlands anstauchenden Meister, wie die Meister von Prachatitz, Jeny von Prag und Jane Pehem in Wien, Meister Wenzel in Regensburg, die Junker von Prag, waren offenbar aus der Schule des großen schwäbischen Architekten hervorgegangen und wandten sich nach auswärts, als im Lande langsam eine andere Richtung das Oberwasser gewann und die ehedem so rege Bauthätigkeit angesichts der immer mehr alles Interesse absorbirenden religiösen und uatioualeu Streitigkeiten allmälig ins Stocken kam. Neben dieser auf dem Boden deutscher Golhik groß gewordene» und zu allgemeiner Beachtnng gelangten Richtung gestaltete sich unter Wenzel IV. auch eiue zweite der aus deu Einheimischen hervorgegangenen Meister ans, die natürlich so Manches ihrer Aus- bildung der herrschendeil Parler'schen Schule dankte». Sie stellten die Banführer für so manchen kleinere» Banbetrieb des Landes, dessen Leiter man noch gern aus der Landes- hauptstadt holte, wo die ungemein lebhafte Bauthätigkeit uuter Karl I V. die Heranbildung eines dem Bedarf stets näherkommenden Nachwuchses inländischer Arbeiter gefördert hatte. Die nmfangreichsteu uud größten Überreste dieser Richtung sind im südlichen Böhmen erhalten. Deu Ausgangspunkt für die Betrachtung derselben muß die Ägidikirche iu Mühl hau seu (Milevsko) bilden, dessen Prämonstratenserkirche zn den bedentendsten romanischen Anlagen Böhmens gehört. Dieselbe besitzt ein anßer dem Chorpolygon dreijochiges, mit einem Sterngewölbe geschlossenes Presbyterinm, in welchem wie in der Südwand des ursprünglich offenbar zweischiffigen Langhauses dreiseldrige, mit Drei- uud Vierpaßmotiven gezierte Maßwerkfenster sitzen. Die Rippen der Wölbung entwickeln sich von glatten, schmucklosen Capitalen der schlanken Presbyterininswandsünlen und treffen sich in deu gleichfalls schmucklos bleibenden ruudeu Schlußsteinen. Im Langhaus dagegen wurden sie auf seulpirte Cousoleu gestellt, die au beiden Kirchenwänden den Zusammensturz
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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