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wieder mit solcher Entschiedenheit betont und geschickt mit den anderen in einen ansprechen-
den, geschmackvollen Einklang gebracht ist. Für die Hauptportale liebte der Meister reichen
plastischen Schmuck, indeß er die minder wichtigen nur mit Stabwerk und Hohlkehlen
belebte. Die Anschauungen des Architekten stände» oft unter jenen des Bildhauers, welcher
au dem Anfban und der Ausstattung seiner Bauten reiches plastisches Beiwerk anzuordnen
pflegte; so griff Peter Parler nicht nnr auf dem Gebiete der Architektur, sondern auch der
Plastik fördernd und maßgebend ein. Wenn auch das Fortleben seiner Richtung nach
seinem Tode außer Zweifel steht, so ist es doch nicht möglich, ganz genau die Abhäugigkeit
der künstlerischen Ideen bestimmter Individuen von ihm zu begrenzen und zum Beispiel
zuverlässig festzustellen, inwieweit sein Sohn Johann in den Fußstapfen des Vaters
wandelte und im Weiterban des Doms daneben auch eiuer selbständige« Richtung
Ausdruck verlieh. Die am Ende des XIV. und zu Beginn des XV. Jahrhunderts iu
Böhmen uud bei verschiedenen Bauten Deutschlands anstauchenden Meister, wie die
Meister von Prachatitz, Jeny von Prag und Jane Pehem in Wien, Meister Wenzel in
Regensburg, die Junker von Prag, waren offenbar aus der Schule des großen schwäbischen
Architekten hervorgegangen und wandten sich nach auswärts, als im Lande langsam eine
andere Richtung das Oberwasser gewann und die ehedem so rege Bauthätigkeit angesichts
der immer mehr alles Interesse absorbirenden religiösen und uatioualeu Streitigkeiten
allmälig ins Stocken kam.
Neben dieser auf dem Boden deutscher Golhik groß gewordene» und zu allgemeiner
Beachtnng gelangten Richtung gestaltete sich unter Wenzel IV. auch eiue zweite der aus
deu Einheimischen hervorgegangenen Meister ans, die natürlich so Manches ihrer Aus-
bildung der herrschendeil Parler'schen Schule dankte». Sie stellten die Banführer für so
manchen kleinere» Banbetrieb des Landes, dessen Leiter man noch gern aus der Landes-
hauptstadt holte, wo die ungemein lebhafte Bauthätigkeit uuter Karl I V. die Heranbildung
eines dem Bedarf stets näherkommenden Nachwuchses inländischer Arbeiter gefördert hatte.
Die nmfangreichsteu uud größten Überreste dieser Richtung sind im südlichen Böhmen
erhalten. Deu Ausgangspunkt für die Betrachtung derselben muß die Ägidikirche iu
Mühl hau seu (Milevsko) bilden, dessen Prämonstratenserkirche zn den bedentendsten
romanischen Anlagen Böhmens gehört. Dieselbe besitzt ein anßer dem Chorpolygon
dreijochiges, mit einem Sterngewölbe geschlossenes Presbyterinm, in welchem wie in der
Südwand des ursprünglich offenbar zweischiffigen Langhauses dreiseldrige, mit Drei- uud
Vierpaßmotiven gezierte Maßwerkfenster sitzen. Die Rippen der Wölbung entwickeln sich
von glatten, schmucklosen Capitalen der schlanken Presbyterininswandsünlen und treffen sich
in deu gleichfalls schmucklos bleibenden ruudeu Schlußsteinen. Im Langhaus dagegen
wurden sie auf seulpirte Cousoleu gestellt, die au beiden Kirchenwänden den Zusammensturz
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch