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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 262 -
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262 Wichtigkeit geworden war, denn es verdrängte auch in der Dachdeckung iminer mehr die Schindel und behauptete weitaus den Platz gegenüber der Schieferdeckung. Anderes Dach- deckungsmaterial fand nur in seltenen Fällen Verwendung; so ließ Karl IV., um deu nach Prag zusammenströmenden Fürsten und Edlen der ganzen Welt den Reichthum uud die Bedeutung Böhmens recht augenscheinlich zu machen, 1370 die beiden Hanptthürme im Osten nnd Westen der Prager Königsbnrg mit vergoldetem Blei decken. Stroh- deckung erhielt sich besonders bei ländlichen Profanbauten, zu deren Aufführung das selbst bei kleineren Kirchenbauten immer seltener werdende Holz noch vorwiegend verwendet wurde. Die seit dem XIV. Jahrhundert in Böhmens Städten fortschreitende Pflasterung und die Fürsorge für Instandhaltung der Brücken mußten auch dem Baubetrieb manche Förderung zuführen. Die unter Wenzel IV. immer noch nicht ganz erstorbene Kunstthätigkeit Böhmens erstarrte unter dem eisigen Todeshauche der über die Cultur des Landes erbarmungslos dahinbransenden husitischeu Windsbraut. Ihr fiel aber zugleich weitaus der größte Theil der in früheren Zeiten entstandenen Kunstwerke zum Opfer, deren großartiger Gesammt- reichthnm den in Kunstfragen gewiß nicht befangen und einseitig urtheilenden Aeneas Silvins zu den begeisterten Worte hinriß: „Kein Reich Europa's ist, wie ich glaube, in unserer Zeit mit so vielen herrlichen und geschmückten Kirchen reich ausgestattet gewesen wie Böhmen; die zum Himmel emporragenden Gotteshäuser waren von wunder- barer Länge und Breite und mit Steinwölbungen gedeckt; die Altäre strotzten von goldenen und silbernen Reliquieufassuugen, die priesterlichen Kleider waren mit Perlen durchwirkt, alle Ornate reich, die Kirchengeräthe ungemein kostbar und hohe und sehr breite Fenster mit schimmerndem Glas und von wunderbarer Arbeit ließen das Licht einströmen." Diesen überaus reichen Bestand an kirchlichen Kunstdenkmalen, in denen sich ja die künstlerischen Bestrebungen der früheren Jahrhunderte am schönsten verewigt hatten, mußte die der Pracht- entfaltung beim Gottesdienst und bei der Kirchenausstattung abholde, ja oft sogar feindliche Richtung des husitischeu Fanatismus aufs schwerste erschüttern. Da die Zerstörungswuth ebensowenig vor der Pforte der Klöster, wie vor dem Thore der Städte hielt, die sich der Bewegung nicht angeschlossen hatten, und kirchliche Bauten, Bürgerhäuser und stolze Burgen in gleicher Weise traf, so sanken zahlreiche Baudenkmale, welche der Richtung des gothischen Stils angehörten, in Schutt und Trümmer. Die künstlerisch hochbedeutsameu Anlagen der Cistercienser in Königsaal, Nepomnk, Skalitz, Goldenkron, Hradiste und Sedlee wurden ganz oder theilweise zerstört; dasselbe Schicksal theilten die meisten Klöster der Benedictiner, Prämonstratenser, Bettelmönche und der anderen Orden. Manche Stadt- kirche brannte nieder oder litt schweren Schaden, wenn Hab und Gnt der Bürger in Rauch und Flammen aufging. Wenige Jahre genügten, um gründlich' mit dem auszuräumen,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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