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Die allgemeinen Verhältnisse des Baubetriebes bewegten sich in den vor den
Hnsitenkriegen eingehaltenen Bahnen. So schlössen 1435 die Bürger von Wodnian
mit dem Meister Jaklik und seinem Sohn Wenzel einen genau specisicirten Bertrag für
den Chorbau ihrer Pfarrkirche, so wurden beim Weiterbau der Kuttenberger Barbarakirche,
für welcheu Benedict Rieth am 14. April 1512 vertragsmäßig bestellt wurde, wie einst
beim Prager Dombau genane Rechnungen geführt, so waren die Lohnverhältnisse vollständig
geregelt, Sommer- und Winterbauperiode unterschieden, Trink- und Badegeld noch im
Brauch. Die zunftmäßige Organisation des Banhandwerkes hatte mich in Böhmen während
des XV. Jahrhunderts große Fortschritte gemacht. Die Zunft der Steinmetzen in der
Prager Altstadt verwaltete fchou 1489 „von der Hauptstadt aus alle Zünfte gleichen
Handwerks im ganzen Königreich Böhmen"; mit letzteren waren aber nur die einzelnen
städtischen Verbände wie in Knttenberg gemeint, neben welchen bei großen Banführungen
auch unabhängige, selbständige Bangewerksvereinignngen bestanden. Eine solche gab es
z. B. 1489 auf dem Hradfchin unter der Leitung des mit der Ausführung königlicher
Bauten betrauten Meisters Benedict Rieth; dieselbe stand zu der Altstädter Zunft wohl in
demselben Verhältniß wie der Regeusburger Dombaumeister Roritzer zu deu Beschlüssen
des Regcnsbnrger Steinmetzentags von 1459. Die Lehrzeit war genau normirt und das
Meisterstück der Steinmetzen uud Maurer bis in die Einzelheiten geregelt. Doch waren die
Banmeister Böhmens, deren einzelne Verbände ein wohlorganisirtes Ganze bildeten,
offenbar nicht außer jeder Berührung mit den Verbünden Deutschlands. So bestätigte am
3. August 1497 Peter von Rosenberg die Errichtung einer für den Rosenbergischen Besitz
begründeten Steinmetzenzeche, welche im engsten Anschlüsse an die Passaner Haupthütte
organisirt wurde. Am 26. Juli 1518 erklärten die zur Schlichtung der Aunaberger
Streitigkeiten versammelten Steinmetzen,unter welchen Benedict Rieth die erste Rolle gespielt
zu haben scheint und anch die Meister Jörg von Maulbronn aus Brüx, Hans Günther von
Oberndorf uud Meister Jörg Schremle ans Komotau mit den Gesellen Philipp von Wimpfen
aus Laim nnd Martin von Plan sich begegnen, in einer Eingabe an Herzog Georg den
Bärtigen von Sachsen die Handwerksgenossen „anß dem königreich Behem, Schlesin vnd
Meissen hoch beschwertht" durch das Vorgehen der Magdeburger Hütte. Das beweist, daß
selbst in dem Wiederansblühen der Kunstthätigkeit in Böhmen nach den Hnsitenkriegen ein
Einslnß von Deutschland her zweifellos wieder zur Geltung kam. Denn 1516 wurden
für den Bau der Kuttenberger Barbarakirche durch Benedict Rieths Parlier Hanns auch
in Wien, wo ja eine der vier Haupthütteu bestand, neue Gesellen ausgenommen, deren
deutsche Namen von 1517 an in den Kuttenberger Rechnungen vorkommen.
In dem Baubetrieb mußte selbstverständlich, da in den größeren, damals
schon zumeist cechischen Städten selbständige Steinmetzen- und Manrerzünste bestanden,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch