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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 270 -
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270 der dreischiffigen Kirche in Unterhaid, deren überaus reiche Netzwölbuug der demselben Eintheilnngsprincip folgenden Nikolauskirche in Rvsenberg znm Vorbild diente, obzwar dabei das Verständniß der gothischen Constructionsformen schon stark zurückgedrängt warv Die Sternform der Unterhaider Presbyterinmswölbung gelangte zu feinerer Durchbildung bei der neuerlichen EinWölbung der Jakobskirche in Prachatitz und fand auch fast gleiche Verwendung bei dem Bau der Kirche in Schweinitz, der 1485 vollendet war. Die polygonal schließende Taufkapelle der letzteren ist mit einer eleganten Sternwölbung, deren schwache Rippen sich mehrfach kreuzen und überschneiden, ausgestattet, während eine schöne Netzwölbung, schon zur spitzen Tonne neigend, mit ihren aus Formziegeln angesetzten Zierrippen das Langhaus überspannt. Da der sechseckige Stern auch die Grundform der Presbyterinmswölbung in Schweinitz wie in der Kirche zu Sobeslau bestimmt, deren zweifchiffiges Langhaus auch in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts ungemein reich überwölbt wurde, und 1474 Meister Benedict von Schweinitz bei dem Sobeslaner Thurm- bau beschäftigt war, so darf vielleicht auf letzteren als den Architekten der Schweinitzer Kirche geschlossen werden. Eine gewisse Gemeinsamkeit mancher Details ist den genannten Banten nicht abzu- sprechen, die einer gleichen Baurichtung ihre Entstehung verdanken mögen; die Lust an immer reicher gebildeter Stern- und Netzwölbung wuchs, so daß die einfacheren Formen der Wölbung in Schlan und Rakonitz Restaurationsbauten angehören müssen, die vor der zuletzt behandelten Gruppe abgeschlossen waren, mit welcher die Melniker Chor- und Mittelschissswölbungeu gleichzeitig erscheinen. Als eine der größten Restanrations- und Erweiterungsanlagen des XV. Jahrhunderts erweist sich die Propsteikirche in Neuhaus, die 1480 Heinrich IV. von Neuhaus mit einem nenen Presbyterinm versehen uud restaurireu ließ. Ebenso trafen die Kirche in Nen-Bistritz bedeutende Wölbungs- änderungen, die auch bei dem Minoritenkloster in Bechin nothwendig wurden und hier wie in dem Kreuzgang in Horazdiowitz zur Zellenform griffen. Zu welch eigenthümlichen Wölbungsarten man sich in Südböhmen verstieg, lehrt am deutlichsten das vielmaschige Netz des einschiffigen Langhauses der Budweiser Friedhofskirche und die erst gegen Ende des XVI. Jahrhunderts vollendete Klosterkirche in Gratzen mit der reichen Netzwölbung des Presbyteriums und den breitgezogenen Sternen der Langhauswölbung, deren flache Spannung durchaus nicht mehr dem gothischen System entspricht. Eine andere Richtung der Spätgothik trat in den Werken hervor, welche Benedict Rieth, Baumeister Wladislaws II., aufführte. Von seinen Ansätzen zum Ausbau des Veitsdoms, die im Ausaug des XVI. Jahrhunderts entstanden, hat sich gar nichts erhalten. Dagegen gehört heute uoch das bekannte Wladislaw'sche Oratorium mit dem hängenden Schlußstein der ans vielfach sich durchschneidenden Astwerkrippen gebildeten
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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