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Sächsischer Einfluß trat auch iu dem durch Haus Günther ausgeführten Chorbau
zu Oberndorf bei Komotan zn Tage, dessen durch Jörg Schremle erbaute Stadtkirche den
Emporengedankeu weniger künstlerisch entwickelte nnd die in Aussig, Lann und Brüx
vorhandene Pfcilerbilduug festhielt. Meister Kunz, vielleicht identisch mit dem in Sachsen
vielfach beschäftigten und auch in Böhinisch-Aicha thätigen Konrad Psluger, übernahm
1484 die Erbauung der Stadtkirche in Graupen, deren an einer Seite des Chorpolygous
angebaute Kapelle eine ungemein zierlich und elegaut durchgearbeitete Wölbung überspannt
uud der Überrest eines älteren Baues — vielleicht des Presbyteriums der 1479 uieder-
gebrauuteu Kirche — sein dürfte. Bedeuteuder als der sonst schmucklose Bau, dessen
Strebepfeiler, Fenster nnd Portal in sorgfältiger Quaderarbeit durchgeführt fiud, ist die
Kirche des Heiligengeistspitals, deren zweifeldrige Schiffsfenster spätgothisches Maßwerk
bewahren. Dasselbe begegnet uus auch in der 1516 vollendeten Annakapelle auf dem
Graupeuer Friedhofe, dereu bemalte Deckentäfelung erhalten ist. Originelle Wölbungen
besitzt die spätgothische, vor Graupen liegende Prokopikirche, deren Presbyterinm gerad-
linig abschließt. Die Aufführung all dieser Bauten beeinflußte der rege Verkehr der
Bergstadt mit dem uaheu Sachsen. Von hier kam gewiß auch der Meister der 1483
begonnenen Stadtkirche in Bensen, die schöne Maßwerkfenster, im Chor prächtige Steru-
wölbuug nnd in der dreischiffigen Laughaushalle Netzgewölbe auf achteckige», seitlich ein-
gezogenen Pfeilern besitzt.
In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts wurde das Langhaus der Erzdechautei-
kirche zu Eger vom Stadtbaumeister Erhart aufgeführt; das Maßwerk bietet gleich den
Details der nördlich vom Presbyterinm liegenden Saeristei verhältnißmäßig noch reine
Formen der Spätgothik. Dieselben erscheinen auch iu der gleichzeitig vollendete« Egerer
Bartholomäuskirche, deren sechseckige Sternwölbung auf einer Mittelsäule ruht. Die
dreischiffigen Kirche» iu Schlackenwerth und Schlaggenwald besitzen ungewöhnlich schmale
Seitenschiffe, wie zum Beispiel auch bei der Pfarrkirche iu Aruau; die Ehorpartic der
Biliuer Stadtkirche, welche um 1500 vollendet wnrde, harmonirt nicht mit den etwas
beschränkten nnd düsteren Verhältnissen des Langhauses. Hier zeigte» sich mehr fränkische,
iu de» manchmal beliebten Emporen anch sächsische Einflüsse, indeß bei den erst später
ausgeführten Bauten der Stadtkircheu iu Reicheuberg uud Friedlaud wahrscheinlich
schlesische Meister, deren Ausbildung dnrch den Görlitzer Meister Wendel Roßkopf auf
Benedict Rieth zurückging, zugezogen wurdeu.
Sorgfältigere Bearbeitung des Materials als die Denkmale des nordwestliche»
Böhmens zeigt das Maßwerk der Maria Magdalenakirche in Böhmisch-Leipa, desse»
ältere Heiligenkrenzkirche gleichfalls gntgearbeitete Fenster besitzt. Emporenanordnnng drang
anch in die Seitenschiffe der Deeanalkirche i» J»«gb»«zla» und der Barthvlomättskirche
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch