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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 281 -
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281 angebrochen, die in Böhmen Kunstwerke ersten Ranges, zwar nicht absolut rein, aber großartig nnd durch Eigenart anziehend, hervorgebracht hatte. Neben der Zersetzung des Stilgedankens war schon in den Tagen Wladislaws II. hier und da ein Vordringen neuer Ideen in Constrnetion und Decoration ersichtlich, das nach seinem Hinscheiden unter geänderten Verhältnissen sich zu einem geschlossenen System verdichtete. Aber auch neben demselben behauptete sich vereinzelt die ganz verflachte, immer verständniß- losere Gothik in der folgenden Zeit, wie z. B. die 1603 begonnene Rochuskirche im Strahover Klosterhof oder die Maßwerkbilduugen der von 1628 bis 1632 aufgeführten Jefnitenkirche in Neuhaus beweisen. Ja, sie blieb sogar in den ersten Decennien des XVIII. Jahrhunderts bei der Wiederherstellung der Sedlecer Stiftskirche und beim Umbau der Kladraner Klosterkirche maßgebend, obzwar sich gerade hier aufs deutlichste erkennen läßt, daß den Architekten dieser Zeit der Canon der Gothik sast ein Buch mit sieben Siegeln geworden war und ein überladen phantastischer decorativer Aufputz Hauptsache wurde. Die im XIX. Jahrhundert in den Vordergrund tretende Wiederbelebung der Gothik zeitigte auch iu Böhmen sehr beachtenswerthe Früchte, da Kirchen und Profanban sich ihr neuerlich zukehrten. Als edelste derselben ist wohl der Ansban des Veitsdomes in Prag uuter der Leitnng des 1872 verstorbenen Architekten Kranner und des jetzigen Dombau- meisters Josef Mocker zu nennen, welch letzterer seinen bestbewährten fachmännischen Rath fast bei allen Restanrirnngen gothischer Denkmale Böhmens zweckentsprechend bethätigt. Hervorragende Leistungen gothischer Kirchenbaukunst sind die Gruftkapelle der gräflichen Familie Thun bei Tetschen und der Monumentalbau der Schwarzeuberg'schen Gruft bei Wittingau, beide uach den Plänen des genialen Wiener Dombaumeisters Schmidt ausgeführt, während unter den sonstigen gothischen Neubauten nur wenige wirklich knnstlerische Bedeutung haben. Auf das Gebiet des Profanbaues drang die Gothik besonders bei der Aufführung und Wiederinstandsetzung stolzer Adelssitze ein, unter welchen Schloß Franenberg in Südböhmen, nach dem Vorbild des englischen Königschlosses Windsor erbaut, den ersten Rang einnimmt und die Schlösser Sichrov und Blatna hohe Beachtung verdienen. Die herrliche Anlage der Burg Karlstein ersteht unter der von Friedrich Schmidt eingeleiteten und von Josef Mocker weitergeführten Restauration in neuer Schönheit des alten Stils. Und so belebt sich gerade an den großartigsten Schöpfungen der Gothik, beim Ausbau des Prager Doms und bei Wiederherstellung der Burg Karlstein, der ehrwürdigen Karlsbrücke und der Knttenberger Barbarakirche im XIX. Jahrhundert der Stilgedanke, dessen baukünstlerischer Verkörperung Böhmen seine imposantesten Architektnr- denkmale zu danken hat.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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