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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 284 -
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284 haben insgesammt eine verwandte Gestaltung: der Schaft ist cannelirt und in die Cannelnren der unteren Partien sind Stäbe eingelegt; mir zwei Säulen des Saales, wohl die ältesten von allen, siud in dieser Beziehung anders gestaltet, indem ihr Schaft schrauben- förmig gewnnden ist. Die korinthischen Capitäle mit ihren Volutenranken und Akauthus- blättern, mit allerlei dazwischen verstreuten Rosetten, Sternchen, Lilien, Weinreben, welche mitunter bis auf die leicht geschwungene Deckplatte hinabreichen, beknnden eine mit deu Elementen des Renaissance-Ornamentes nnr ungefähr vertraute, ziemlich selbständig schaffende Hand. Dieselben Formen weist auch ein reizendes Seitenportal der nahegelegene» Georgskirche auf, welches in seinem Tympanon ein noch vollständig gothisch empsnndenes Relief trägt. Wer der Steinmetz gewesen, dessen sich Meister Benedict bei seinen Bauten bediente, und ob derselbe zugleich für den Urheber des Georgsportales gelten mag, ist leider unbekannt. Ein Italiener ist er kaum gewesen, dazu sind seine Formen nicht rein genug, aber es gab wohl damals in Prag italienische Künstler genug, welche das Ein- dringen der neuen Kunstformen vermitteln halfen. Selbst bei den königlichen Bauten sehen wir einen italienischen Maler Namens Roman Blach (der Wälsche) schon um das Jahr 1500 beschäftigt. Sonst kommen Renaissancesormen, geschweige denn im Geiste der Renaissance durchgeführte Bauten während des ersten Viertels des XVI. Jahrhunderts in der Architektur Böhmens selten vor. Die heimischen Werkmeister, an dem traditionelle« System festhaltend, bedienen sich nur hier und da einzelner dem neuen Stile abgelauschter Motive. Es blieb deu italienischen Baumeistern vorbehalten, die Renaissance auch in Böhmen voll zum Siege zu bringen, dieselben kamen jedoch erst, als der Altmeister der Gothik, Benedict, im Jahre 1534 hochbetagt die Augen schloß, zu Worte. Wohl wurde durch König Ferdinand I. in Bonifatius Wohlmuth für den Weiter- bau des Schlosses und der Domkirche ein im Geiste der Gothik schaffender Baumeister bestellt, doch gleichzeitig wurde von demselben König in nächster Nähe des Schlosses einer förmlichen Colonie italienischer Künstler und Werkleute ein dankbares Feld für ihr künstlerisches Schaffen aufgeschlossen. Eine Art Wundergarten sucht Ferdinand hier in der Nähe der ernsten Burg zu seinem und seiner Gemalin Anna Vergnügen hervor- znzanbern. Zunächst wird im Jahre 1535 Hans de Spazio beauftragt, eine Brücke über den Hirschgraben aufzuführen und wohl auch das Terrain für den „Gartenpau" herzustellen; ein italienischer Gärtner „Maister Francisco" unternimmt die Bepflanzung mit „lemoni, Pomeranzen, cidroni und dergleichen", und in dem, derart zu einem italienischen Hain verwandelten Schloßgarten reift schließlich der reizendste Bau heran, welchen die Renaissance nördlich der Alpen aufzuweisen hat. Für diesen Bau hatte Ferdinand I. durch seinen genuesischen Orator in der Person Paolo's della Stella de Mileto einen hervorragenden Architekten und Plastiker gewonnen, welcher sich vordem sammt seinem
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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