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Kunst einsetzt. Es galt die königliche Burg am Hradschin weiter auszugestalten; schon
unter Rudolf II. wurden einige Anläufe dazu gemacht und nun ging sein Nachfolger
Matthias rasch aus Werk, indem er durch Scamozzi einen neuen, dem Hradschiner Ring
zugekehrten Flügel auffuhren ließ. Von dem Bau ist das große Einfahrtsthor, im Jahre
1614 vollendet, bis heute intact geblieben, ein mächtiges Portal mit rusticirten Pilastern,
dorischem Fries und einem von Pyramiden flankirten Wappen und Inschrift tragenden
Giebel. Auch das ähnliche Formen ausweisende Portal, welches den Wladislaw'schen Saal
mit dem Oratorium der Allerheiligenkirche verbindet, gehört dieser Zeit an, sowie auch
verschiedene Bautheile des Altstädter Rathhauses und einzelner Kirchenbauten.
Auf dem Gebiete der kirchlichen Baukunst ringt noch am Beginn des XVII. Jahr-
hunderts der gothische Stil mit der siegreichen Renaissance; auf diesem Gebiete wissen
sich auch einheimische Bauleiter und Steinmetze gegen die vordringenden Italiener zu
behaupten. Zur Gründung neuer Kirchengebäude von größeren Dimensionen fand sich
lange kein Anlaß; erst die Verbreitung des Jesuitenordens einerseits und anderseits das
Vordringen der Augsburger Konfession geben einen solchen. Von Ferdinand I. gefördert,
haben die Jesuiten bereits im Jahre 1556 von dem Kloster des heiligen Clemens in der
Nähe der Karlsbrücke Besitz ergriffen und im Jahre 1578 den Bau der Salvatorkirche
in Angriff genommen. Das ursprünglich ganz schlichte Gebäude wurde im Laufe des
XVII. Jahrhunderts mit einer ziemlich derben Pracht ausgestattet; an seine erste Bauzeit
erinnern jetzt nur die im Jahre 1601 vollendeten Portale. Gleichzeitig wurde auch die
anstoßende, von den in Prag seßhaften Italienern gegründete „Wälfche Kapelle" vollendet
(1600), ein schlichter Rundbau, dessen malerische Vorhalle einer späteren Zeit angehört.
Die von den Lutheranern 1611 bis 1613 gegründete Kirche auf der Kleinseite, die gegen-
wärtige Maria de Victoriakirche, hat nur wenig von ihrem ursprünglichen Änßern bewahrt,
es sei denn das an Scamozzi mahnende Portal, welches theilweise dieser Periode
angehören dürfte. Ein zweiter, durch Lutheraner im Jahre 1611 bis 1614 errichteter Bau,
die Salvatorkirche in der Geistgasse, ist eine noch im Geiste gothischen Stils gedachte Anlage.
Wie hier kommen lange gothische Fenster und allerdings nur schmale Strebepfeiler auch
bei der von Rudolf II. im Jahre 1603 gegründeten und 1625 vollendeten interessanten
St. Rochuskapelle am Strahov vor, welche neben ihren gothischen Reminiscenzen auch
Details im Geiste Scamozzi's trägt.
Den lutherischen Bauten Prags folgten solche auf dem Lande, und das Einstellen
zweier ähnlicher Bauten durch kirchliche Behörden — in Braunau und Klostergrab — gab
den äußerlichen Anlaß zu dem Ausbruch jenes grauenvollen Krieges, welcher während seiner
dreißigjährigen Dauer ganz Böhmen verheerte und zahlreichen Baudenkmälern Verderben
brachte. Aber selbst in diesen bewegten Jahren wurde die Bauthätigkeit nicht eingestellt,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch