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zeigen in ihrer mannigfachen Anordnung die Barockarchitektur des XVII. Jahrhunderts
wieder von einer nicht minder günstigen Seite. Anch ist mit den Namen Orsiui, Loraghv
die Liste der bei Kirchenbauteu beschäftigten Baumeister nicht erschöpft, neben denselben
kommen Sylvester Carloni, ein Matthias von Burgund und Andere vor.
Nicht minder glänzend gestaltet sich die prosane Architektur. Die immensen Güter,
welche einzelnen Adelsfamilien nach den unter Ferdinand II. erfolgten Confiscationen
zufallen, setzen sie in die Lage, kolossale Bauten nach dem BeispielWallensteins vorzunehmen.
Unter den Angehörigen des Adels, welche dem dreißigjährigen Kriege ihre Reichthümer
verdankten, war der in den Grafenstand erhobene Paul Michna von Weitzenhosen einer der
bedeutendsten. Durch Verleihung und Ankauf coufiseirter Güter, durch Antheil an der
unter dem Namen „lange Münze" bekannten finanziellen Gebarung, durch Zustellung des
Proviants während des Krieges, sammelte er unermeßliche Reichthümer, von welchen ein
großer Theil durch ihn und seinen Sohn Wenzel zu kostspielige» Bauten verwendet wurde.
Auf den Gründen des Annaklosters am Ujezd auf der Kleinseite entsteht ein glänzendes
Palais mit Garten und in der Nähe desselben die bereits erwähnte Magdalenenkirche,
welche Graf Wenzel durch sein Testament vom Jahre 1658 zu seiner letzten Ruhestätte
bestimmt. Was die baulichen Unternehmungen Michna's besonders auszeichnet, das sind die
reichen Stueeaturen. In die zweite Hälfte des XVII. Jahrhunderts fällt das goldene Zeit-
alter der Stuccateure, welche in Prag im Jahre 1657 eine selbständige Zeche gründen,
nnd erst gegen Schluß des XVII. Jahrhunderts wird die Stuceatur durch die aufblühende
Freskomalerei wieder verdrängt und auf das Rahmenwerk beschränkt.
Wie bei dem Waldsteiu'schen Palaste ist auch bei dem P a l a i s Michna, dem jetzigen
Zeughause, der größte Aufwand auf die dem Garten zugekehrte Seite verwendet worden;
auch hier bestand früher eine Lalla terrenu, jedoch als ein ganz selbständiger Bau. Das
Äußere des Baues ist mit Friesen, Rahmenwerk, Fensterbekrönnngen, Nischen ausgestattet,
die geräumigen Säle, insbesondere ihre Plafonds sind gleichfalls reichlich decorirt. Die
wiederholt vorkommenden dorischen Friese enthalten allerlei Kriegstrophäen und Embleme,
welche in uns Reminiscenzen des dreißigjährigen Krieges wachrufen.
Das Palais ist nicht mit gleichem Aufwände zur Vollendung gediehen, da die großen
Reichthümer der Michna in der dritten Generation völlig zerstieben. Die mit kolossalen
Schulden belastete Erbschaft Wenzel Michna's, welcher im Jahre 1667 gestorben war,
wurde zum Gegenstand einer der verwickeltsten Erbschaftsverhandlungen des an großen
Erbschaftsprocessen so reichen XVII. Jahrhunderts. Die zahlreichen Stiftungen nnd baulicheil
Uuteruehmnngen scheinen zu diesem Ergebniß mit beigetragen zu haben; noch in der
„Michnischen Erida" trete» Baumeister und Stnecatenre, wie beispielsweise ein Dominik
Gallus Stueeator, mit bedeutende» Forderungen auf.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch