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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 312 -
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312 Cistercienserabt von Plaß Ellgen Tittel (Tyttl), unter welchem nebst anderen Bauten das Stift Plaß nach einem großartig gedachten Plane erbaut wurde, und der kenntnißreiche Franz Max Kanka, welcher, nach den ihm zugeschriebenen Bauten zu urtheilen, ein tüchtiger Architekt war. Eine ganz interessante, für Böhmen charakteristische Erscheinung tritt in jener Zeit z» Tage, die Rückkehr zu gothischen Formen. Es scheint dies auch mit der, aus das Volkstümliche hinzielenden Richtung der katholischen Propaganda jener Zeit zusammen- zuhängen. Für die von den Jesuiten und spanischen Mönchen eingeführten spanischen nnd italienischen Heiligen konnte sich lange das Volk, welches meistentheils erst zum katholischen Glauben gezwungen und herangezogen werden mußte, nicht erwärmen; nun wurde die Verehrung der alten Landespatrone, des heiligen Wenzel, Adalbert, Prokop, Lndmila, Ivan, welchen sich als neuer der heilige Johannes von Nepomnk zugesellte, in den Vordergrund gerückt und zugleich kamen die alten geheiligten Stätten wieder zur Geltung. Zu diesen gehörten auch die alten Stifte, an welche sich manche Legenden knüpften und die zum Theil noch seit der Hnssitenzeit in Trümmern sich befanden, und da lag der Gedanke nahe, sobald man an ihre Renoviruug schritt, dieselbe in dem alten gothischen Stil zu vollziehen. So entstanden die Stiftskirchen in Sedlee, Selan, Kladran wieder, so wurde die alte Propsteikirche des gewesenen erzbischöflichen Sitzes Randnitz reeonstruirt. Die Gothiker dieser Zeit waren zwei Prager Bürger Franz Bayer und Johann Santini, von deueu der erstere die Kirche von Sedlee, der letztere die Kirchen zu Selan und Kladran wieder herstellte. In den Geist der Gothik einzudringen gelang es allerdings nicht, selbst in das formale Wesen nicht; was früher Steinmetzarbeit war, wurde in Stnceo nachgebildet, wie es zum Beispiel bei dem, Wladislaw'sche Formen imitirenden Gewölbe von Selan der Fall ist. Wenn auch der Gebrauch des gothischen Stils in solchem Umfange sonst zu den Seltenheiten gehört, so entspricht das Eingehen ans alte und fremdländische Stilarten der Richtung jener Zeit. Namentlich war dies mit orientalischen Kunstrichtungen der Fall, doch macht sich in Böhmen die Vorliebe für chinesische und japanische oder indische " Kunst uur etwa in Gartenhäuschen oder in der Ausstattung intimer Gemächer geltend. Ein Meister, welcher in der Theorie den verschiedenen Stilarten gerecht zu werden beflissen war, in der Praxis jedoch eigene Wege ging, Johann Bernhard Fischer von Erlach, hat auch in Böhmen bedeutende Schöpfungen hinterlassen, welche seine Eigenart uud sein künstlerisches Können manisestiren. Es ist vor allen das P a l a i s Elam- Gallas , welches, 1707 bis 1719 erbaut, über die wuchtigen gleichzeitigen Palastbauten jener Zeit durch seiue Eurythmie und das maßvolle Beiwerk weit hinausragt. Alle übrigen Palastbauten aus der Zeit Josefs I. und Karls VI., das Palais Kvasejovitz,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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