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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 322 -
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322 mäßiger Ausdehnung und gewöhnlich ohne Wälle. Deutlich sieht man eine solche Anlage in Elbeteinitz, doch findet mau bei der Schloßstätte von Moldautheiu (in die später eine Burg hineingebaut wurde) einen auf die beschriebene Weise angelegten Erdwall. Die im Tieflande uud in der Ebene angelegten Burgen der ältesten Zeit hatten eine wesentlich andere Anlage als die auf Erdzungen und Bergvorsprnngen gegründeten. Die natürliche, durch steile Abhänge erzielte Befestigung wurde hier durch Sümpfe und Gräben ersetzt. Auf diese Weise entstand bei Dobrisch eine kleine Wallburg, aus deren sumpfigen Gräben unlängst große schwarze Holzstämme ausgegraben wurden. Kleinere Anlagen dieser Art, welche als befestigte Sitze einzelner Familien zu betrachten sind, waren Vorgänger der sogenannten Besten, von denen wir unten sprechen werden. Die Erhaltung unserer ältesten Burgen erforderte einen großen Aufwand von Arbeit, da das Material störenden Einflüssen viel weniger trotzte als steinerne Mauern. Deshalb wurden einestheils viele derselben, welche nicht hinlänglichen Schutz boten, verlassen, wie zum Beispiel die sagenhafte Burg Krakov, die schon zu Anfang des XII. Jahrhunderts mit Wald bewachsen war. Anderntheils wurde bei vielen das Verlangen nach steinernen, auf römische Art angelegten Mauern größer, obwohl sich der couservative, an Holzbauten gewöhnte Sinn des Landvolkes dagegen wehrte; Boleslavs (gestorben 967) energisches Eingreifen bei dem Bau der steinernen Ringmauern von Alt-Bnnzlan wird als rücksichts- lose Strenge geschildert. Derartige Maueranlagen erscheinen indessen nur sporadisch, wie z. B. die Mauer um die alte Burg Tetin (nicht mit der Steinburg gleichen Namens zu verwechseln). Man fand indessen bald einen Mittelweg, indem man einheimische Anlagen mit römischer Bauweise combiuirte. Diesem Umstände verdankt auch der alte schwarze Thurm vou Klingenberg (fälschlich Markomannenthurm genannt) sein Entstehen. Dieses iu seiner Art seltene, dem Egerer Thurm ähnliche Bauwerk unterscheidet sich auffallend von dem übrigen Mauerwerk von Klingenberg und erscheint als einziger Rest der ursprünglichen Burganlage, welche sonst durch den außerhalb der jetzigen Burg gelegenen, in schwachen Überresten erhaltenen Erdwall abgeschlossen war. Etwas Ähnliches kann man bei der im Jahre 1126 neuerbauten Burg Primda (Psreimtberg, Psranin- berg) bemerke». Auch hier unterscheidet sich der auf der höchsten Spitze stehende viereckige von Quadersteinen erbaute Thurm so sehr von dem übrigen Mauerwerk, daß an gleich- zeitige Erbauung beider nicht gedacht werden kann; auch unterscheidet er sich wesentlich von den im XIII. bis XV. Jahrhundert gebanten Wartthürmen. Der Hradschin zu Prag wurde im Jahre 1135 nach römischer Art ummauert, wogegen die Residenz am Bysehrad noch im XII. Jahrhundert von Holz gebaut war. Auch die märchenhafte Burg Devin (bei Prag) stellte sich Eosnias als Holzbau vor. Als Zeitpunkt derartiger Neuerungen wäre also der Ausaug des XII. Jahrhunderts zu betrachten. Gleichzeitig aber erfolgte auch
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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